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Frau auf der Flucht

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Wir starten demnächst unsere Weiterreise und sind hier am Blog noch immer in Sizilien! Wollte ich etwa noch gar nicht nach Hause???

Es war wunderbar in Punta Braccetto, baden, sonnen, lesen, fischen, la dolce far niente. Aber leider konnten wir die Barockstädte, die wir eigentlich von hier aus besichtigen wollten, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Wir mussten näher ran und machten uns am 10. 11. auf den Weg Richtung Osten, nach Avola.

Endlos erscheinende, in der Sonne gleißende Gewächshäuser prägen an der Südostküste das Landschaftsbild. In ihnen wird das Gemüse gezogen, das wir in den Wintermonaten genießen. Beim Vorbeifahren kommt unweigerlich der Gedanke, aus welchem Gewächshaus wohl unser verspeistes Gemüse stammt. 70 % der italienischen Gesamternte an Zitrusfüchten kommt aus Sizilien. Olivenbäume und Weinreben zählen seit griechischer Zeit zu den wichtigsten Kulturpflanzen, mit den Arabern kamen die Zitrusfrüchte, mit den Spaniern Tomaten, Paprika und Auberginen nach Sizilen. Obwohl man vermehrt auf nachhaltige Landwirtschaft umsteigt, kann man die Folgen der letzten Jahre (Jahrzehnte) sehen. Die Gewächshäuser rotten vor sich hin, damit die Kunststofffolien nicht herumfliegen, werden sie verbrannt. Und das fast täglich!

Gewächshäuser Punta Braccetto

Tomatenanbau Punta Braccetta

aufgelassenes Gewächshaus

Nach diesen „Wegwerfpalästen“ war unser nächstes Ziel ein architektonisches Juwel, das Castello Donnafugata, ungefähr 20 km westlich von Ragusa. Ein Palast mit quadratischem Grundriss, der sich inmitten von Viehweiden und Feldern der Monte Iblei, einer herrlichen Weidelandschaft mit endlos erscheinenden Trockenmauern und zahlreichen Johannisbrotbäumen, befindet. Der Palast verfügt über mehr als 120 Zimmer (das erhaltene Mobiliar reichte nicht einmal für die Hälfte der Zimmer und wurde von Raum zu Raum grindiger!!), darunter eine große Bibliothek, ein Spiegelsaal und ein Wappensaal sowie mehrere Kapellen und Theaterräume. Das Schloss hat eine venezianische Hauptfassade mit einer gotischen Loggia.

Für den Namen Donnafugata (Donna: Frau, fugare: flüchten) gibt es verschiedene Ableitungen. Frau auf der Flucht lässt zwar mehr Spielraum für theatralische Geschichten zu, aber angeblich kommt der Name von einer Quelle, die in der Nähe des Schlosses entspringt. Die arabische Bezeichnung für Gesundheitsquelle „ain-as-jafaiat“ mutierte über den sizilianischen Dialekt zu „Donnafugata“.

Besonders gefallen hat uns die 8 ha große Parkanlage mit den Schatten spendenden Riesenbäumen, dem Zitronenhain, den künstlichen Grotten und einem Irrgarten.

Donna Fugata

Donna Fugata

Donnafugata

Donnafugata Gummibaum

Donnafugata ist nicht nur durch das gleichnamige Weingut bekannt, sondern auch durch den Roman „Der Leopard“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, der 1963 von Luchino Visconti mit Burt Lancester, Alan Delon und Claudia Cardinale in den Hauptrollen verfilmt wurde. Er gibt Eindruck vom Leben der Aristokratie und der einfachen Landarbeiter in der damaligen Zeit.

Unser Weg führte uns weiter Richtung Osten. Dabei überquerten wir auf der SS 115 die 120 Meter hohe Guerrieri-Brücke und erhaschten einen Blick auf das in einer ypsilonförmigen Schlucht liegende Modica, eine der acht im Jahre 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Barockstädte (mehr dazu im nächsten Beitrag).

Modica Weltkulturerbe

Dom San Giorgio

Dom San Giorgio

Skurille Balkone

Skurille Balkone

Basilika San Pietro mit Statuen der zwölf Aposteln

Basilika San Pietro mit Statuen der zwölf Aposteln

Modica ist nicht nur für ihre Kunstschätze, sondern auch für eine lange Tradition der Schokoladenherstellung bekannt. Die Schokolade wird noch heute so erzeugt, wie es die Spanier von den Azteken übernommen haben. Die Masse wird auf maximal 40 Grad Celsius erhitzt, dabei schmelzen die Zuckerkristalle nicht und bleiben als solche in der Schokolade erhalten. Das ergibt eine gewöhnungsbedürftige raue, körnige, bei Bruch bröckelige Konsistenz. Der Vorzug liegt in der Einfachheit des Produktes, das bei seiner Herstellung ganz ohne Pflanzenfett, Butter, Milch und Lecithin auskommt und in der Tatsache, dass ich schon nach zwei kleinen Stückchen genug habe. 😉

Corso Umberto

Wir wären noch gerne länger in der lebhaften Geschäftsstraße Corso Umberto mit ihren zahlreichen Straßencafés geblieben, doch die untergehende Sonne zeigte uns ganz deutlich, dass es an der Zeit war, einen Stellplatz für den Abend zu suchen.

In Avola deckten wir uns noch mit Vorräten ein und kamen dadurch erst in der Finsternis am Campingplatz Sabbiadoro an. Die enge Zufahrt machte uns wieder einmal bewusst, wie breit die mobilen Behausungen sind. Nur wenige Zentimeter trennten uns beidseitig von Gebüsch und Gartenmauern und die, in den nächsten Tagen entdeckten Lackspuren zeigten uns, wie schnell es geht, wenn die Fahrer vielleicht von der Tagestour schon leicht unkonzentriert durch dieses Nadelöhr manövrieren. Der Campingplatzbesitzer wies uns in der Dunkelheit noch auf einen Platz ein und ich dachte mir: „Bin schon gespannt, wie es hier aussieht!“

Ciao,

die Womophilen

 

 

 

 

 

 

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