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Route des Kasbahs

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Am Freitag, 26. Februar verließen wir den Erg Chebbi und machten uns auf den Weg Richtung Norden nach Erfoud um über die R 702 nach Tinejdad und auf der Route des Kasbahs Richtung Westen bis zur Todrhaschlucht zu reisen.

Die Gegend um Erfoud ist bekannt für ihre reichhaltigen Fundstätten an Meeresfossilien, man sieht überall wunderschöne Schnecken- und Muschelversteinerungen, die zu Tischplatten, Waschbecken oder Schmuck verarbeitet werden.

Fossilienmekka Erfoud

Wir kurvten wieder durch fast menschenleere Gegend. Mittlerweile gefällt es mir und ich kann die Ruhe genießen, die hier herrscht. Einfach nur die minimalen Farbunterschiede wahrnehmen, das viele Braun zum blauen Himmel ist eine tolle Kombination, wenn dann noch weiße Berggipfel dazukommen oder doch etwas Grünes, dann ist das ein Genuss für das Auge.

Auf der R 702 nach Djorf

Auf der R 702 nach Djorf

Route de Kasbah

Der Blick über die Oasengärten auf die Lehmdörfer ist traumhaft. Die erdfarbenen Bauten heben sich wie riesige Sandburgen gegen das Blau des Himmels ab und fügen sich harmonisch in die Umgebung ein.

Kasbah bei Tinerhir

Kasbah bei Tinerhir

Kasbah Tinerhir

Tinerhir

Am Nachmittag erreichten wir den Campingplatz“Le Soleil“ an der Einfahrt zur Todrhaschlucht, wo wir auf unsere liebe Fährbekanntschaft Doris und Thomas trafen. Die beiden verbrachten hier ein paar Tage um einige der mehr als 400 Kletterrouten zu erklimmen. Die 8 km lange Schlucht ist ein Kletterparadies für Schwindelfreie. Mir genügte schon der Blick in die 300 m hohen, senkrechten Wände, die den Himmel über mir verdeckten.

In der Nacht fegte ein heftiger Sturm um unser Womo und knickte den Ast eines Mandelbaumes, der natürlich auf unser Womo krachte. Wie Hagel hörte sich der Dauerbeschuss der Mandeln an und raubte uns den Schlaf.

Nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück mit Doris und Thomas verabschiedeten wir uns in Richtung Quarzazate, aber nicht ohne vorher ein Treffen bei uns zuhause auszumachen, gel ihr zwei!

Todhraschlucht

Todrhaschlucht

Todraschlucht

Todrhaschlucht

Hotel in der Todraschlucht

Hotel in der Todrhaschlucht

Kletterparadies für Schwindelfreie

Kletterparadies für Schwindelfreie

Unsere Fahrt ging weiter über das Hochplateau auf der N 10 in das auf 1.586 m Höhe liegende Boumalne du Dades. Die Dadesschlucht ist eine grandiose Gebirgslandschaft mit herrlichen Farbkontrasten, Palmenoasen mit Feigen, Mandeln, Nüssen, Pappeln und Granatäpfeln vor dem Hintergrund der rotbraunen Felsen und der schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas. Dazwischen liegen kleine Ortschaften mit Kasbahs.

Hochplateau zwischen Tinerhir und Boumalne du Dades

Hochplateau zwischen Tinerhir und Boumalne du Dades

Dadestal

Dadestal

Dadestal

Dadestal

Felsformation im Dadestal

Felsformation im Dadestal

Leider sah das Wetter im Gebirge nicht gut aus. Aufgrund des Sturmes in der Vornacht und den wolkenverhangenen Gipfeln machten wir kehrt und verzichteten auf die Dadesschlucht.

Gipfel in Wolken

Die Weiterfahrt nach Quarzazate entwickelte sich so stürmisch, dass viele LKW-Fahrer ihre Motorhauben mit Decken vor dem Sand schützten. In Skoura beendeten wir entnervt die Tour und suchten Zuflucht in einem ummauerten Campingplatz. Direkt vor einem Palmenhain nächtigten wir am „Ameridil“ und ließen uns im familiengeführten Restaurant ein hervorragendes Couscous schmecken.

Camping "Ameridil"

Camping „Ameridil“

Kurz nach Skoura

Kurz nach Skoura

Kurz nach Skoura

Der Sturm verfolgte uns noch länger. Heiß umsandet, wild umwindet, brauchte es am nächsten Tag zwei Anläufe um zur Kasbah-Stadt Ait Benhaddou zu gelangen.

mystische Sandsturmstimmung

mystische Sandsturmstimmung

Sandsturm am Weg nach Ait Ben Haddou

Ait Benhaddou, ein Wohndorf aus Lehm, besteht aus mehreren ineinander verschachtelten Wohnburgen und ist UNESCO- Weltkulturerbe.

Abdou Mhend steckte sein ganzes Herzblut in eine Führung für uns, sein Deutsch war so gut, dass uns seine Liebe für das alte Ait Benhaddou nicht verborgen geblieben ist. Und obwohl wir seinen Lohn zuerst auf die Hälfte gehandelt hatten, bekam er am Ende den gesamten Betrag.

Ait Benhaddou

Ait Benhaddou

Die Berber-Kasbah im südlichen Marokko hat im Gegensatz zur arabischen Stadt, in der sie reine Festungsanlage ist, mehrere Funktionen: Fluchtburg, Herrensitz, Festung, Gemeinschaftsspeicher, Sippenwohnung und Clanmachtzentrum.

Abdou erklärt uns die ausgeklügelte Funktion der Schlösser

Abdou erklärt uns die ausgeklügelte Funktion der Schlösser

Zeltheringe der Berber

Zeltheringe der Berber

Die ursprünglich völlig fensterlosen Wohnungen sind um Innenhöfe herum gebaut, durch die das Licht und die Luft in die Stallungen und Lagerräume sowie die Wohn- und Schlafräume gelangen konnte.

Abdou führt uns in eine Wohnung

Abdou führt uns in eine Wohnung

Wohnraum

Wohnraum

neue Küche mit Gaskocher

neue Küche mit Gaskocher

Blick von der traumhaften Terrasse mit schwingendem Boden (Hilfe!)

Blick von der traumhaften Terrasse mit schwingendem Boden (Hilfe!)

Ornamentschmuck an den Außenfassaden

Ornamentschmuck an den Außenfassaden

Das Baumaterial der Kasbahs ist äußerst witterungsanfällig. Der Stampflehm fällt nach heftigen Regengüssen in ganzen Brocken ab, müsste also ständig gepflegt werden. Dazu haben die Leute leider keine Lust mehr und errichten vermehrt Betonbauten, die aber in den heißen Sommermonaten ein viel schlechteres Raumklima erzeugen.

Ziegel aus Lehm und Stroh

Ziegel aus Lehm und Stroh

Durch Zugabe von Erdpigmenten werden verschiedene Tönungen erreicht

Durch Zugabe von Erdpigmenten werden verschiedene Tönungen erreicht

Der alte Ortskern wurde an das Stromnetz angebunden und angeblich wollen einige Familien wieder umsiedeln.

Weltbekannt wurde Ait Ben Haddou als Filmkulisse für mehr als 20 Hollywoodproduktionen: Von Sodom und Gomorrha (1961) über Alexander (2004) bis zu Game of Thrones (2014).

Einmal falsche Koordinaten eingegeben und schon steht man in Ägypten!

Atlas-Filmstudio Quarzazate

Atlas-Filmstudio Quarzazate

Filmkulisse "Die Päpstin"

Filmkulisse „Die Päpstin“

In und um Quarzazate ist eine richtige Filmindustrie entstanden. Es wurde sogar eine Filmschule eingerichtet, an der Ausbildungen zum Produktionsmanager, Bühnen- Masken- und Kostümbildner angeboten werden. Wir ließen uns die Möglichkeit nicht entgehen und schnupperten ein bisschen Hollywoodluft im Atlas Filmstudio. Aber genausogut könnte jeder Souk als Filmkulisse für einen biblischen Film dienen, man müsste nur die Handys und Sonnenbrillen der Bewohner entfernen.

Genug von künstlichen Filmkulissen und der floppenden Führung, wir flüchten schnurstracks in die Realität zum Camping „Kasbah Palmeraie“ nach Agdz.

Salam,

die Womophilen

 

Ait Ben Haddou

4 Kommentare

  1. Schön war’s in der Wüste! Da habt ihr ja wieder einiges gesehen und erlebt. Ich beneide euch erstmals. Um was wohl? Um den nächtlichen Sternenhimmel!
    Ulli sagte uns, dass ihr jetzt schon in Spanien seid! Da bin ich neugierig auf schöne Bilder!
    Wir hatten heute unseren Müschi-Treff, eine kleine Gesellschaft! Aber du hast ja Fotos bekommen. Der Siegfried ist überraschend noch vom Beichten in Neumarkt gekommen.
    Alles Gute!

  2. Ich schau mir eure Reiseberichte liebend gerne an und erinnere mich an vieles. Eure Fotos sind einfach toll, der Kommentar ebenso. Ihr könntet umsatteln auf Reiseschriftsteller.
    Weiter viel Glück auf eurer Reise!

    • Liebe Ulli, vielen Dank für dein Kompliment! Es freut mich, wenn du gerne mitliest. Ich hinke schon wieder ganz schön nach, das liegt meistens am schwachen Internet (oder meinen tollen Kenntnissen!!??). Es ist sehr zeitaufwendig, wenn das Laden der Bilder so lange dauert.
      Schöne Osterferien,
      Sissy

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