womophil

„Perle des Alentejo“

| Keine Kommentare

Kap von San Vecente

Von Europas Südwestspitze, die auf einem 60 m hoch aus dem Meer ragenden Felsen thront, führte unser Weg Richtung Norden. Wir hatten beide zum ersten Mal das Gefühl, dass es Richtung Heimat geht. Auch schön!

Die Nacht auf den 13. April verbrachten wir auf dem ganzjährig geöffneten „Parque de Campismo Orbitur Sitava Milfontes“.

Am Mittwochmorgen besuchten wir Sines, den Geburtsort des Seefahrers Vasco da Gama. In einer Bäckerei frühstückten wir herrlichst unter lauter Einheimischen und konnten aufgrund der Rechnungshöhe verstehen, warum hier die Bankomaten nur mit 10 und 20 Euroscheinen bestückt sind.

Sines

Wenn man vom Castello, in dessen Hof heute jährlich Ende Juli das „Festival Musicas do Mundo“ stattfindet, den Blick über das Meer schweifen lässt, kann man sich sehr gut vorstellen, dass hier in manch verwegenem Burschen die Sehnsucht und Neugier nach der Entdeckung dessen, was sich hinter dem Horizont abspielt, geweckt worden ist.

Vasco da gama

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts starteten die Portugiesen ihre Entdeckungsfahrten. Der Seeweg nach Indien und somit zu den Gewürzen des Orients war lange Zeit eine Herausforderung für die Seefahrer. 1497/98 umsegelte Vasco da Gama als erster Europäer das Kap der Guten Hoffnung, erreichte Indien auf dem Seeweg und setzte den Grundstein für die Weltmacht, die Portugal werden sollte.

Castello Sines

Vintage - durch und durch

Vintage – durch und durch

Der Alentejo – jenseits des Tejo – ist die größte Region Portugals, in der aber nur 5 % der portugiesischen Bevölkerung leben. Stundenlang fahren wir durch weite Ebenen mit sanften Hügeln, begleitet von Olivenbäumen, Korkeichen, glücklich grasendem Vieh und Störchen. Weit verstreut liegen die landwirtschaftlichen Betriebe. Der Alentejo ist das größte Weinbaugebiet Portugals, das Zentrum der Olivenöl- und Korkproduktion.

Am Weg nach Evora

Alentejo

geschälte Korkeichen

Portugal ist mit einem Anteil von mehr als 50 % der Weltproduktion der größte Korkproduzent und kann dabei auf eine 200-jährige Tradition zurückblicken. Portugals 70 Millionen Korkeichen liefern Tag für Tag unvorstellbare 30 Millionen Korken!!! Schon in Sardinien hat mich dieser Baum total fasziniert. Er wird 6 – 10 m hoch und kann bis zu 200 Jahre alt werden. Geerntet wird je nach Standort erstmals nach 25 bis 40 Jahren. Während seiner 150 produktiven Jahre kann der Baum 12- bis 16-mal geschält werden. Der Rückgang der Korkenindustrie ließ jede Menge anderer Produkte entstehen. In Portugal findet man Kork nicht nur als Untersetzer, sondern auch als Regenschirme, Hüte, Schuhe und Dekorationsaccessoires, die auch eingefärbt werden.

Allerlei aus Kork

Vom 13. – 15. April verbrachten wir zwei Tage im Landesinneren, in Évora am Campingplatz Orbitur. Évora gilt als die Perle des Alentejo, mit Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichsten Jahrhunderten, vom Aquädukt, der Festung und dem Tempel der Römer über gotische Bauten und Renaissancegebäude bis zu den weiß getünchten Wohnhäusern der Jetztzeit.

Tempio Romano mit 14 der ursprünglich 18 korinthischen Säulen

Tempio Romano mit 14 der ursprünglich 18 korinthischen Säulen

Der Innenraum der Kathedrale (im Portugiesischen wird Kathedrale mit „Sé“ abgekürzt) besticht durch schlichte Granitquader, nur der Chor präsentiert sich barock.

Sé Évora

Sé Évora

Besonders beeindruckend war der Rundgang auf dem Dach der Kathedrale und des Kreuzgangs. Mehrere enge, dunkle Aufgänge führten von den Ecken des gotischen Kreuzgangs auf die Dachterrasse. Welch herrlicher An- und Ausblick! Die Dachkonstruktionen der Sé, der eigenartig geschuppte Helm des achteckigen Glockenturms, das liebliche Évora und der Blick in die Umgebung haben sich dort verankert, wo sie unvergessen bleiben.

Glockenturm Èvora

Glockenturm Évora

Auf dem Dach der Kathedrale

Kathedrale Évora

Sé Innenhof

Paco dos Condes de Basto, ehemaliger Königssitz

Paco dos Condes de Basto, ehemaliger Königssitz

Schon von Weitem hörte man die Pfaue, die sich im Park um den ehemaligen Königspalast tummelten.

Pfaue im Park, Evora

Im 16. Jahrhundert war auf dem Friedhof in Évora kein Platz mehr vorhanden, deshalb exhumierte man die Knochen von hunderten Menschen und goss sie in der „Capela dos Ossos“ in Mustern in Zement ein. Der Eingang zur Knochenkapelle grüßt die Besucher mit dem Spruch: „Unsere Gebeine, die hier sind, warten auf die Euren“.

Capela dos Ossos

Capela dos Ossos

Der mit Schlaglöchern gesteckte Parcours zum Steinkreis von Almendes wird unserem Womo ewig in Erinnerung bleiben. Der Feldweg nach dem Dorf Guadalupe sucht seinesgleichen. Wir hätten sicher umgedreht, wäre da nicht ein PKW an uns vorbeigefahren und waren bass erstaunt ob der Vielzahl an Womos, die sich nach einigen Kilometern Geholpere vor uns auf dem Parkplatz zeigten.

Cromlech von Almendres

Cromlech von Almendres

Nach einem kurzen Fußweg durch einen Korkeichenwald erblickt man 92 zwei bis drei Meter hohe Menhire, die eine Ellipse bilden. Die Steine haben zum Teil sehr deutlich erkennbare Kreise und Zickzacklinien, andere sind ganz glatt geschliffen. Kein Wunder, haben sie doch 6000 bis 7000 Jahre auf dem Buckel. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, wofür diese Steinkreise angelegt worden sind. Interessant ist, dass sie von allen Kulturen im gleichen Zeitraum errichtet worden sind, egal ob in Europa, Asien oder Südamerika.

Menhire von Almendres

Bem venido,

die Womophilen

Kreuzgang Sé Évora

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.