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Bergen – die Regenhauptstadt Europas

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Am Mittwoch, 27. Juli, gondeln wir im Zick-Zack auf der N13 gen Bergen. Reisen in Norwegen entschleunigt. Die erlaubten 80 km/h kann man ganz selten fahren, die Straßen sind großteils eng mit vielen Ausweichstellen und sehr kurvig. Wir haben noch in keinem Land so viele Wohnmobile und Gespanne auf der Straße erlebt. Neun von zehn Womos sind Norweger, ein paar Deutsche und kaum Österreicher oder Schweizer.

Schwimmende Fischzucht

Schwimmende Fischzucht

Die Straße führt uns über Jorpeland nach Tau und von Heilmelandsvagen mit der Fähre nach Nesvik. Sand, Suldal, Skare, Odda, zielstrebig geht es nordwärts, Wasser begleitet uns scheinbar stehend oder wild fließend.

Wasserfall am Weg

Wasserfall am Weg

Ab Odda fahren wir am Sørfjorden, einem südlichen Ausläufer des mächtigen Hardangerfjordes, entlang und staunen nicht schlecht: Obstanbau hier!? Wir sehen Apfel- Birnen- Zwetschken- und Kirschbäume. An vielen Straßenständen werden momentan Kirschen verkauft, bzw. verkaufen sich die Kirschen selbst. Man nimmt einfach die mit herrlichen Früchten gefüllten Schalen und wirft den entsprechenden Geldbetrag in eine Büchse. Die Kirschen geben nicht nur von der Optik was her, nein, sie munden auch vorzüglich!

Obstanbau am Sørfjorden

Obstanbau am Sørfjorden

Bereits im 13. Jahrhundert bauten in dieser Gegend die Zisterziensermönche Obst und Gemüse in ihren Klöstern an. Nach der Reformation geriet der Anbau in Vergessenheit, weil die Mönche ihre Klöster aufgeben mussten. Ab dem 18. Jahrhundert beginnen ansässige Bauern am Sørfjorden wieder mit dem Obstanbau.

Jede kleinste Fläche wird genutzt

Jede kleinste Fläche wird genutzt

Auf der anderen Seite des Fjordes liegt Ullensvang, das zu den größten Obstanbaugebieten in Norwegen gehört. Dem Golfstrom sei Dank, befinden wir uns hier doch auf dem gleichen Breitengrad wie Südgrönland. Außerdem begünstigt auch die geschützte Lage innerhalb der Fjorde den Obstanbau. Der Wind fegt über die Hardanger-Hochebene hinweg, hier im Fjord ist es meist windstill.

Von Utne, wo sich drei Fjorde treffen, setzen wir nach Kvanndal über.

Fähre nach Kvanndal

2 km nach Norheimsund zieht der Steinsdalsfossen unseren Blick auf sich. Der Wasserfall entstand 1699 aufgrund der Laufänderung des Flusses. Ein schmaler Weg führt zum Wasserfall und hinter diesem vorbei. Es ist etwas Besonderes, ihn nicht nur zu sehen und zu hören, sondern die Urgewalt des Wassers auch zu spüren. In ganz Norwegen haben Architekten in Gemeinschaft mit Landschaftsarchitekten Plattformen und Aussichtspunkte geschaffen, um spektakuläre, atemberaubende Ein- und Ausblicke genießen zu können.

Steinsdalsfossen

Steinsdalsfossen

Das Gespür für Architektur fällt uns öfters auf. Ist dieses einfache, stylische, funktionale (es regnet ja eh schon wieder!) Busswartehäuschen nicht genial? Mir gefällt auch die Schreibweise des Wortes Buss. Endlich eine Sprache, in der der Buss so geschrieben wird, wie auch wir ihn sprechen!

Busswartehäuschen

Nach gut 70 km erreichen wir den „Bergen Campingpark AS“, 19 km außerhalb der Stadt gelegen. Er erhält von uns das Prädikat „Nicht empfehlenswert“.

Bergen macht seinem Ruf alle Ehre, es regnet und regnet und regnet. Wir starten am Donnerstag, 28. Juli, mit einem Frühstück bei Baker Brun (Danke für den Tipp! :)) und beginnen mit dem Flanieren im Weltkulturerbe Bryggen.

Dreistöckige, spitzgiebelige Hansekontoren in Brygge

Dreistöckige, spitzgiebelige Hansekontoren in Brygge

Es lässt sich noch erahnen, welche Bedeutung Bryggen im Mittelalter hatte. Die Hanse hinterließ hier ihre Spuren, jahrhundertelang war die Kaianlage quirliger und zentraler Teil der Stadt. Etliche Stadtbrände tobten hier, 1702 wurde die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt. Nach dieser Feuersbrunst wurde Bryggen im alten Baumuster wieder aufgebaut und hat heute dasselbe Profil wie im 12. Jahrhundert.

Bergen - Brygge

Bryggen, seit 1979 UNESCO Weltkulturerbe

Bryggen, seit 1979 UNESCO Weltkulturerbe

Um Brände in dem engen Viertel zu vermeiden, waren die Gebäude unbeheizt.

Um Brände in dem engen Viertel zu vermeiden, waren die Gebäude unbeheizt

Bryggen

Bryggen

Die Hansekontore nehmen die ganze Ostseite der Bucht Vågen ein

Die Hansekontore nehmen die ganze Ostseite der Bucht Vågen ein

Tyskebryggen, der Deutsche Kai in Bergen

Tyskebryggen, der Deutsche Kai in Bergen

Die bunten Holzhäuser schaffen es selbst bei diesem trüben Wetter, ein bisschen Stimmung aufkommen zu lassen. Wir gehen über den Fischmarkt und sind enttäsucht. Das ist Norwegens bekanntester und meistbesuchter Marktplatz im Freien!? Ein wenig mehr vom Fisch finden wir in der Markthalle, wo wir eine leckere Fischsuppe und Fish & Chips norwegischer Art essen, d. h. mit Dorsch, Lachs, Steinbutt und Shrimps.

Fischmarkt Bergen

Fischmarkt Bergen

Fischmarkt Bergen

Fischmarkt Bergen

Informationszentrum mit Fischhalle

Informationszentrum mit Fischhalle

Jetzt regnet es nicht, es schüttet. Wir können die Markthalle nicht verlassen. Üerall stehen Leute, die eigentlich hinaus möchten. Ich schaue auf die Geschäfte gegenüber. Fast jedes bietet Regenbekleidung, Schirme, warme Stricksachen und Jacken an. Auch am Regen lässt es sich verdienen. Ich kaufe mir eine schwarze Regenüberjacke, die bis zum Boden reicht, mit einem Schirm ist man hier deutlich „undercovered“.

Pudelwohl?

Der Kirchturm der Johanneskirken kann fast überall in Bergen gesehen werden und dient der Orientierung. Der Kirchenraum hat eine sehr gute Akustik, deshalb wird er gerne als Konzertsaal verwendet.

Johanneskirken Bergen

Blick von der Kirche

Blick von der Kirche

Kurz waren seine grandiosen Spieleinlagen, andauernd musste er sein Instrument mit einer Plane abdecken um es nicht zu verstimmen. Bei mir hatte die neue "Plane" wenig Erfolg, war ordentlich verstimmt!

Kurz waren seine grandiosen Spieleinlagen, andauernd musste er sein Instrument mit einer Plane abdecken um es nicht zu verstimmen. Bei mir hatte die neue „Plane“ wenig Erfolg, war ordentlich verstimmt!

Für uns ein ungewohnter Anblick: Die Elektrotankstelle an der Einfahrt zum Campingplatz, vollbesetzt mit Teslas. Bis 2025 will Norwegen den Autoverkehr komplett auf erneuerbare Energie umstellen, deshalb werden Elektroautos besonders gefördert. Bei der Anschaffung eines Elektroautos entfällt die Mehrwertsteuer. Ebenso sind mit Strom betriebene Gefährte von der Kfz-Steuer und der Abgas-Abgabe befreit. In norwegischen Städten können Fahrer von E-Autos ihre Wagen auf kommunalen Parkplätzen kostenlos abstellen,  auch das Aufladen der Batterien an den öffentlichen Stationen ist gratis. In Bergen darf man sogar die Bussspur benutzen – und am Stau vorbeifahren.

Elektrotankstelle vor dem Campingplatz

Auch am Abend regnet es und wir überlegen, ob wir nicht gleich nach Oslo durchstarten sollen. Bei so viel Niederschlag schlägt mein Stimmungsbarometer gefährlich in Richtung Niedergeschlagenheit!!

 

Vi ses,

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