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Fès – Mittelalter mit manchmal Strom

3. März 2016 nach sissy | 6 Kommentare

Fès ist die älteste der vier Königsstädte und besitzt die größte Medina im gesamten arabischen Raum. Wir haben die Stadt mit unserem einheimischen Führer Wafi einen ganzen Tag lang erkundet und waren von diesem mittelalterlichen Treiben gefangen.

Ein paar Eindrücke, die für uns immer untrennbar mit Marokko verbunden bleiben werden.

Die mittelalterliche Medina von Fès....

Die mittelalterliche Medina von Fès….

.... so groß wie 400 Fußballfelder

…. so groß wie 400 Fußballfelder

Bei Aufenthalten in Fès residiert der König noch heute im Dar El Makzhen, dem Sultanspalast.

Fassade des Sultanpalastes in Fès El Djedid (neues Fès)

Fassade des Sultanpalastes in Fès El Djedid (neues Fès)

Sultanspalast Fès

Die Mellah (Judenviertel) wurde aus Schutzgründen in der Nähe des Sultanspalastes errichtet, dafür mussten die Juden allerdings eine hohe Steuer bezahlen. Ein besonderes Kennzeichen für die Mellah sind die relativ hohen Häuser, deren Fenster und Türen im Gegensatz zu den Häusern der Muslime zur Straße gerichtet sind. Wir haben hier wunderbare Datteln, gefüllt mit Walnüssen, gekauft.

Mellah, Fès

Viel Zeit haben wir in Fès El Bali, der Medina, verbracht.

Der Metzger stellt die besten Stücke aus

Der Metzger stellt die besten Stücke aus

Fleischkonserven

Fleischkonserven

Käse in liebevoll geflochtener Verpackung

Käse in liebevoll geflochtener Verpackung

Fast Food auf arabisch

Fast Food auf arabisch

Jede Familie bringt das eigene Brot zum Bäcker und holt es gebacken wieder ab!

Jede Familie bringt das eigene Brot zum Bäcker und holt es gebacken wieder ab!

Hysterisch kreischende Hühner wechseln die Besitzer

Hysterisch kreischende Hühner wechseln die Besitzer

Tierhäute auf dem Weg in die Gerberei

Tierhäute auf dem Weg in die Gerberei

Die Ledergerber und -färber von Chuwawra liegen ein bisschen abgelegen im Nordosten der Medina. Beim Aufstieg zur Aussichtsplattform wird einem extra ein Blatt Minze gegen den Geruch gereicht. Für uns wäre das nicht nötig gewesen, da die Bottiche noch leer waren. Mittlerweile sollten sie wieder in Betrieb sein. Es muss ein toller Anblick sein, wenn jeder Topf mit einer anderen Farbe gefüllt ist und die Lederstücke darin gefärbt werden. Vielleicht beim nächsten Mal!?

Die Färbetöpfe wurden mit UNESCO-Mitteln neu errichtet

Die Färbetöpfe wurden mit UNESCO-Mitteln neu errichtet

Lederfärberei Fès

Seit Jahrhunderten wird das Schaf-, Kuh-, Ziegen- und Kamelleder auf die gleiche Weise gegerbt – mit Kalk und Taubenkot, der mittlerweile aus Venedig importiert wird. Der Beruf des Gerbers wird noch immer vom Vater an den Sohn weitergegeben.

Das fèssche Leder ist ein Markenzeichen der Stadt und wird rund um den Bottichen in Werkstätten zu Taschen, Poufs, Schuhen, Gürteln und Jacken verarbeitet. In den Verkaufsräumen der Gerberei (ziehen sich über mehrere Stockwerke)  und den unzähligen Ständen der Stadt werden die Waren angeboten. Auch hier sind wir nicht leer hinausgegangen.

Die Handwerker arbeiten in eigenen kleinen Vierteln. Am Souk an-Nejjarine arbeiten die Tischler mit einer handwerklichen Geschicklichkeit, dass es eine Freude wäre sich hier länger aufzuhalten. Leider haben wir kein Foto von den gold- und silberverzierten Hochzeitsmöbeln gemacht, auf denen die Braut an ihrem großen Tag durch die Gassen getragen wird.

Feinste Tischlerarbeiten

An der Place es-Sefferine werkeln die Kupfer- und Messingschmiede und fertigen riesige Teekessel und Pfannen.

Souk der Kupfer- u d Messingschmiede

Küpfer- und Messing Souk

Im Souk taugt es allen, ob aktiv oder passiv!

Im Souk taugt es allen, ob aktiv oder passiv!

Teppiche, überall Teppiche, eine Farben- und Musterpracht, wie ich sie noch nie gesehen habe! Die Schaf- Kamel- und Baumwolle wird mit Pflanzenfarben gefärbt, z. B. mit Safran, Henna, Klatschmohn oder Indigo. Die Fingerfertigkeit der Frauen ist atemberaubend. Die beiden Frauen am Foto nehmen einen relativ langen Wollfaden, machen einen Knopf und reißen den Faden ab. Es gibt keine Mustervorlage, die ist im Kopf! Auf der anderen Seite knüpfte eine Frau alleine an einem Teppich, das kann ich mir ja noch vorstellen, dass dabei ihr Muster entsteht. Aber wie kann man zwei Köpfe so gleichschalten, dass das Muster synchron entsteht????

Teppichknüfen in Fès

Teppiche Fès

Frauen lassen sich hier ihre Kleider vom Faden weg anfertigen. Sie suchen die Farben selber aus und lassen die Stoffe weben. Das Leuchten in ihren Augen ist mitreißend, wenn sie dann in Trauben (mit der ganzen Familie?) vor dem Schneider stehen und ihre Roben ordern. Von den farbigen Spindeln konnte ich mich nur sehr schwer trennen – ohne welche mitzunehmen!!!

Seidenspindeln in allen Farben

Seidenspindeln in allen Farben

In der Weberei

In der Weberei

Geschmäcker sind verschieden

Geschmäcker sind verschieden

Manche Geschäfte sind so klein, dass sie keinen eigenen Zugang haben, dieses hier wird jeden Tag über das Seil erturnt. Der nicht mehr ganz so junge Verkäufer (er wollte nicht auf das Bild) hält sich dabei sicher fit!

Fès

Der Place Nejjarin mit seinem Handelslager, das früher als Karawansei genutzt wurde, besticht mit seinem wunderschönen, mit bunten Mosaiken geschmückten Brunnen. Im 13. und 14. Jahrhundert soll Fès, das bis nach Europa wegen seines Reichtums berühmt war, 200.000 Einwohner gehabt, 200 Karawanseien und mehrere tausend Läden besessen haben.

Place Nejjarin, Karawansei (Fondouk)

Place Nejjarin, Karawansei (Fondouk)

Brunnen mit bunten Mosaiken

Brunnen mit bunten Mosaiken

Wir besichtigten die einstige Koranschule Medersa Bou Inanina mit ihrem aufwändig renovierten Innenhof. Die Abbildung von Mensch und Tier gilt im Islam als Blasphemie, als Nachahmung des götttlichen Schöpfungsprozesses. Das Betrachten der Kachelmuster, der filigranen Schnitzereien und Kalligrafien versetzen in einen meditativen Modus.

Ehemalige Koranschule Medersa Bou Inania

Ehemalige Koranschule Medersa Bou Inania

Typisch für Koranschulen ist der rechteckige Innenhof mit Wasserbecken für die rituellen Waschungen, um den sich die Unterrichtsräume und der Gebetssaal gruppieren. Im oberen Stockwerk sind die Wohnräume der Studenten.

Koranschule, Fès

Koranschule Fès

Als Nichtmuslim bleibt einem der Zutritt zu den Moscheen verwehrt, ein verstohlener Blick in das Innere ist aber gestattet:  flauschige Teppiche, hohe Wände, Kachelmuster….

Die Moscheen waren gut besucht

Die Moscheen waren gut besucht

Blick in Moschee

Durch das Bab Boujeloud, ein Tor, das auf einer Seite mit blauen, auf der anderen mit grünen Fayencen reich geschmückt ist, kommt man in die Medina.

Bab Boujeloud

Bab Boujeloud

Die Altstadt hat ihren mittelalterlichen Charakter fast unverändert erhalten können, da in den engen Gassen kein Durchkommen für Autos möglich ist. Wären da nicht die vielen Handys und die Satellitenschüsseln auf den schiefen Häusern, man wäre ganz woanders, aber sicher nicht im 21. Jahrhundert!

Wir zwängten uns noch durch die engste Gasse in Fès…..

engste Gasse in Fès

…..fuhren mit dem Taxi und unserem Guide Wafi angenehm erschlagen von all den Eindrücken zurück und fragten uns aber doch, wie viel hatte er an unseren Einkäufen verdient??? Man bekommt als Außenstehender den Eindruck, jeder kennt hier jeden – jede Hand wäscht die des Nachbarn – soziale Strukturen sind ebenso wenig zu durchschauen wie die Gepflogenheiten des Kaufens, Verkaufens und Handelns.

Wir freuen uns riesig auf die vierte Königsstadt, die wir mit Womophil Junior erkunden werden.

Salam,

die Womophilen

 

Koranschule Fès