womophil

„Perle des Alentejo“

25. April 2016 von sissy | Keine Kommentare

Kap von San Vecente

Von Europas Südwestspitze, die auf einem 60 m hoch aus dem Meer ragenden Felsen thront, führte unser Weg Richtung Norden. Wir hatten beide zum ersten Mal das Gefühl, dass es Richtung Heimat geht. Auch schön!

Die Nacht auf den 13. April verbrachten wir auf dem ganzjährig geöffneten „Parque de Campismo Orbitur Sitava Milfontes“.

Am Mittwochmorgen besuchten wir Sines, den Geburtsort des Seefahrers Vasco da Gama. In einer Bäckerei frühstückten wir herrlichst unter lauter Einheimischen und konnten aufgrund der Rechnungshöhe verstehen, warum hier die Bankomaten nur mit 10 und 20 Euroscheinen bestückt sind.

Sines

Wenn man vom Castello, in dessen Hof heute jährlich Ende Juli das „Festival Musicas do Mundo“ stattfindet, den Blick über das Meer schweifen lässt, kann man sich sehr gut vorstellen, dass hier in manch verwegenem Burschen die Sehnsucht und Neugier nach der Entdeckung dessen, was sich hinter dem Horizont abspielt, geweckt worden ist.

Vasco da gama

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts starteten die Portugiesen ihre Entdeckungsfahrten. Der Seeweg nach Indien und somit zu den Gewürzen des Orients war lange Zeit eine Herausforderung für die Seefahrer. 1497/98 umsegelte Vasco da Gama als erster Europäer das Kap der Guten Hoffnung, erreichte Indien auf dem Seeweg und setzte den Grundstein für die Weltmacht, die Portugal werden sollte.

Castello Sines

Vintage - durch und durch

Vintage – durch und durch

Der Alentejo – jenseits des Tejo – ist die größte Region Portugals, in der aber nur 5 % der portugiesischen Bevölkerung leben. Stundenlang fahren wir durch weite Ebenen mit sanften Hügeln, begleitet von Olivenbäumen, Korkeichen, glücklich grasendem Vieh und Störchen. Weit verstreut liegen die landwirtschaftlichen Betriebe. Der Alentejo ist das größte Weinbaugebiet Portugals, das Zentrum der Olivenöl- und Korkproduktion.

Am Weg nach Evora

Alentejo

geschälte Korkeichen

Portugal ist mit einem Anteil von mehr als 50 % der Weltproduktion der größte Korkproduzent und kann dabei auf eine 200-jährige Tradition zurückblicken. Portugals 70 Millionen Korkeichen liefern Tag für Tag unvorstellbare 30 Millionen Korken!!! Schon in Sardinien hat mich dieser Baum total fasziniert. Er wird 6 – 10 m hoch und kann bis zu 200 Jahre alt werden. Geerntet wird je nach Standort erstmals nach 25 bis 40 Jahren. Während seiner 150 produktiven Jahre kann der Baum 12- bis 16-mal geschält werden. Der Rückgang der Korkenindustrie ließ jede Menge anderer Produkte entstehen. In Portugal findet man Kork nicht nur als Untersetzer, sondern auch als Regenschirme, Hüte, Schuhe und Dekorationsaccessoires, die auch eingefärbt werden.

Allerlei aus Kork

Vom 13. – 15. April verbrachten wir zwei Tage im Landesinneren, in Évora am Campingplatz Orbitur. Évora gilt als die Perle des Alentejo, mit Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichsten Jahrhunderten, vom Aquädukt, der Festung und dem Tempel der Römer über gotische Bauten und Renaissancegebäude bis zu den weiß getünchten Wohnhäusern der Jetztzeit.

Tempio Romano mit 14 der ursprünglich 18 korinthischen Säulen

Tempio Romano mit 14 der ursprünglich 18 korinthischen Säulen

Der Innenraum der Kathedrale (im Portugiesischen wird Kathedrale mit „Sé“ abgekürzt) besticht durch schlichte Granitquader, nur der Chor präsentiert sich barock.

Sé Évora

Sé Évora

Besonders beeindruckend war der Rundgang auf dem Dach der Kathedrale und des Kreuzgangs. Mehrere enge, dunkle Aufgänge führten von den Ecken des gotischen Kreuzgangs auf die Dachterrasse. Welch herrlicher An- und Ausblick! Die Dachkonstruktionen der Sé, der eigenartig geschuppte Helm des achteckigen Glockenturms, das liebliche Évora und der Blick in die Umgebung haben sich dort verankert, wo sie unvergessen bleiben.

Glockenturm Èvora

Glockenturm Évora

Auf dem Dach der Kathedrale

Kathedrale Évora

Sé Innenhof

Paco dos Condes de Basto, ehemaliger Königssitz

Paco dos Condes de Basto, ehemaliger Königssitz

Schon von Weitem hörte man die Pfaue, die sich im Park um den ehemaligen Königspalast tummelten.

Pfaue im Park, Evora

Im 16. Jahrhundert war auf dem Friedhof in Évora kein Platz mehr vorhanden, deshalb exhumierte man die Knochen von hunderten Menschen und goss sie in der „Capela dos Ossos“ in Mustern in Zement ein. Der Eingang zur Knochenkapelle grüßt die Besucher mit dem Spruch: „Unsere Gebeine, die hier sind, warten auf die Euren“.

Capela dos Ossos

Capela dos Ossos

Der mit Schlaglöchern gesteckte Parcours zum Steinkreis von Almendes wird unserem Womo ewig in Erinnerung bleiben. Der Feldweg nach dem Dorf Guadalupe sucht seinesgleichen. Wir hätten sicher umgedreht, wäre da nicht ein PKW an uns vorbeigefahren und waren bass erstaunt ob der Vielzahl an Womos, die sich nach einigen Kilometern Geholpere vor uns auf dem Parkplatz zeigten.

Cromlech von Almendres

Cromlech von Almendres

Nach einem kurzen Fußweg durch einen Korkeichenwald erblickt man 92 zwei bis drei Meter hohe Menhire, die eine Ellipse bilden. Die Steine haben zum Teil sehr deutlich erkennbare Kreise und Zickzacklinien, andere sind ganz glatt geschliffen. Kein Wunder, haben sie doch 6000 bis 7000 Jahre auf dem Buckel. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, wofür diese Steinkreise angelegt worden sind. Interessant ist, dass sie von allen Kulturen im gleichen Zeitraum errichtet worden sind, egal ob in Europa, Asien oder Südamerika.

Menhire von Almendres

Bem venido,

die Womophilen

Kreuzgang Sé Évora

Algarve

25. April 2016 von sissy | Keine Kommentare

Der Wettergott war uns auf der Fahrt von Sevilla nach Portugal nicht wirklich hold. Dunkle, regenschwere Wolken wechselten sich mit Sicht auf den blauen Himmel ab. Das wechselhafte Wetter begleitete uns dann auch noch während der geruhsamen Tage (6. – 11. April) am „Village Touriscampo“ in Senhora da Luz.

Village Touriscampo

Mit 3000 !!! Sonnenstunden im Jahr gehört die Algarve zu den wettersichersten Gebieten der Erde, das Klima entspricht bereits nordafrikanischen Verhältnissen. Hier kennt man keine extremen Wetterlagen, im Winter sinken die Temperaturen kaum unter 10° C. Na hoppala, warum ist es dann jetzt nicht schön, wenn wir da sind?? Angeblich sind das die letzten Regenschauer, bevor es heiß und trocken wird. Na, die vergönnen wir den Portugiesen und der Landschaft, wie es ohne Regen aussieht, haben wir ja schon erlebt!

Lagos, Blick auf die Altstadt

Lagos liegt mitten in der Felsalgarve in einer weiten Bucht. Leider regnete es bei unserem Besuch immer wieder. Wir spazierten trotzdem durch den hübschen Altstadtkern, der teilweise noch von der mittelalterlichen Stadtmauer umgeben wird. In der Fußgängerzone gibt es viele kleine Geschäfte und Lokale zum Draußensitzen, die sogar mit Heizschwammerl bestückt sind. Dass es sich hier in Sommernächten so richtig abspielt, kann man sich gut vorstellen.

Lagos‘ Geschichte ist eng mit der der Seefahrer verknüpft. Die Entdeckungsfahrten bescherten Lagos Ansehen und Reichtum, es blühte nicht nur der Handel. 1444 fanden erstmals Versteigerungen von schwarzafrikanischen Sklaven statt, für ein Pferd bekam man z. B. zehn Menschen.

Heinrich der Seefahrer vor dem Zollgebäude, unter dessen Arkaden die Sklaven angebunden, zur Schau gestellt und verkauft wurden.

Heinrich der Seefahrer vor dem Zollgebäude, unter dessen Arkaden die Sklaven angebunden, zur Schau gestellt und verkauft wurden.

Über die schmale Zugbrücke gelangt man in die Festung, die im 17. Jhdt. zum Schutz des Hafens gebaut wurde.

Über die schmale Zugbrücke gelangt man in die Festung, die im 17. Jhdt. zum Schutz des Hafens gebaut wurde.

Ich war schon richtig gespannt auf die Küste der Algarve bei Lagos. Seit 35 Jahren erzählt Rudi immer wieder einmal von der damaligen Maturareise mit Hermann und Gerhard. Den Campingplatz gibt es noch, der Weg zum Strand führt mittlerweile an mehreren Hotelanlagen vorbei. Wir wanderten lange am Strand entlang, so viele wunderschöne Buchten, bizarre Felsen und Formationen, von denen man kaum den Blick wenden konnte.

Strand in Lagos

Küste bei Lagos

Küste bei Lagos

Es muss herrlich sein, in diesen Buchten einen Badetag zu verbringen!

Es muss herrlich sein, in diesen Buchten einen Badetag zu verbringen!

Bei Sonnenschein changiert das Meer bestimmt in karibischen Blautönen, bonito!

Bei Sonnenschein changiert das Meer bestimmt in karibischen Blautönen, bonito!

Auf eine Annäherung über die Meerseite verzichteten wir aufgrund des instabilen Wetters

Auf eine Annäherung über die Meerseite verzichteten wir aufgrund des instabilen Wetters

Guter Fisch braucht Trittsicherheit!

Guter Fisch braucht Trittsicherheit!

Fischerparadies

Fischerparadies

Traumküste bei Lagos

Am Dienstag, 12. April ging es weiter in den äußersten Südwesten Europas, der im 15. und 16. Jhdt. zur Zeit der Weltmeerbesegelungen der Portugiesen eine wichtige Rolle gespielt hatte. In Sagres soll sich Heinrich der Seefahrer mit den besten Geografen, Kartografen und Astronomen des Landes getroffen und ein Seefahrtszentrum betrieben haben. Hier begann einst die Globalisierung der Welt.

kap vicente2

Der Lichtkegel des Leuchtturms (lichtstärkster in Europa) am Cabo San Vicente ist noch in 90 km Entfernung zu erkennen und überwacht einen der meist befahrenen Schifffahrtswege der Welt. In der Antike als das Ende der bewohnten Welt bekannt, an dem die Götter wohnen und die Sonne im Meer versinkt, – diesen Eindruck kann man hier in der rauen, atemberaubenden Landschaft gut nachvollziehen, in der das Festland förmlich in den Atlantik abtaucht.

Kap San Vicente

Stein des Riesen - ich hätte ihn eher Schuh des Riesen genannt!

Stein des Riesen – ich hätte ihn eher Schuh des Riesen genannt!

Kap San Vicente

Einer der größten Zugvogelkorridore Europas durchquert die Gegend, unzählige Vögel bewegen sich hier jährlich zwischen der Nord- und Südhalbkugel hin und her und locken Vogelkundler aus der ganzen Welt an. Viele Seevögel halten sich in Küstennähe auf und nisten in den Felsen des Naturschutzgebietes..

Auch die Surfer fallen in Schwärmen ein und nutzen die Gunst der Wellen. Leider gibt es auch unverschämte Freisteher, die nicht davor zurüchschrecken, öffentliche Leitungen anzuzapfen. Kein Wunder, dass man keine Freude mit „wild stehenden“ Womofahrern hat.

Parkplatz Fortaleza de Sagres

Nach einer Klippenwanderung kann man sich an einem Bratwurststand mit einer lustigen Verkaufsstrategie stärken: „Letzte Bratwurst vor Amerika“. Vielen Dank an Rosmarie, die mir die beiden Fotos zur Verfügung gestellt hat. Liebe Eva-Marie, das hört sich so an, als ob wir dann gleich gestärkt bei euch vorbeischauen könnten!

Letzte Bratwurst vor Amerika

Bem venido,

die Womophilen

300 Tage Sonne

25. April 2016 von sissy | Keine Kommentare

Blick auf den Campingplatz

Blick auf den Campingplatz

Randvoll abgefüllt mit wunderschönsten Eindrücken von Sevilla, Córdoba und Granada sehnsuchten wir nach Verarbeitung dieser am Meer. Von Dienstag, 29. März bis Samstag, 2. April urlaubten wir am Campingplatz „Almayate Costa“, ungefähr 20 km östlich von Málaga.

Spaziergänge am Meer, sonnen, fischen, lesen, grillen, Womo reinigen…. herrlich wenig zu tun. Málaga wird an 300 Tagen im Jahr von der Sonne verwöhnt, Costa del Sol eben!

Málaga

Am Freitag fuhren wir mit dem Bus nach Málaga. Schon der Hafenbereich mit seinen Palmen- und Platanenpromenaden lädt zum Verweilen und Genießen ein. In der verkehrsberuhigten Altstadt lässt es sich wunderbar flanieren, einkaufen und essen gehen. Wir waren nicht auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten, wir wollten einfach den südländischen Charme der Stadt genießen.

Málaga

 Kathedrale …La Manquita, „der etwas fehlt“, ein Turm ist unvollendet

Kathedrale …La Manquita, „der etwas fehlt“, ein Turm ist unvollendet

 Vom römischen Amphitheater sind noch die Sitzreihen, der Orchestergraben und die Bühne zu sehen

Vom römischen Amphitheater sind noch die Sitzreihen, der Orchestergraben und die Bühne zu sehen

Kathedrale von Málaga, deren Bau bis heute nicht beendet wurde

Kathedrale von Málaga, deren Bau bis heute nicht beendet wurde

Wir besuchten das Picasso-Museum, das in einem Renaissance-Palast untergebracht ist. Pablo Picasso wurde 1881 in Málaga geboren. Sein Talent zeigte sich schon bald, er besuchte bereits im Alter von zehn Jahren eine Kunstschule und durfte an der Kunstakademie von Barcelona die ersten Klassen überspringen. Aus politischen Gründen kehrte er nie in seine Heimatstadt zurück……

Das Museum gibt einen Überblick über sämtliche Stilrichtungen, Techniken und Materialien, mit denen er sich Zeit seines Lebens beschäftigt hat.

Am Sonntag, 3. April reisten wir weiter nach Ronda, nicht ohne uns ganz nah an den Caminito del Rey heranzupirschen. Eigentlich sollte der kleine Königspfad ja ein weiteres Highlight unserer Reise werden. Er war wegen einer Neuübernahme geschlossen, nachdem man ihn nach Restaurierungsarbeiten im Frühjahr 2014 wiedereröffnet hatte. Er bleibt uns also noch ein Weilchen auf der Todo-Liste erhalten.

Den adeligen Namen verdankt er König Alfonso XIII, der ihn 1921 bewältigte

Den adeligen Namen verdankt er König Alfonso XIII, der ihn 1921 bewältigte.

Der Caminito del Rey hat Geschichte. Schon Anfang des 20. Jhdts. mussten die Arbeiter über diesen klettern, um die Wasserkraftwerke mit Material zu versorgen.

Der Caminito del Rey hat Geschichte. Schon Anfang des 20. Jhdts. mussten die Arbeiter über diesen klettern, um die Wasserkraftwerke mit Material zu versorgen.

Am Weg nach Ronda

Am Weg nach Ronda

Frühling.....ja du bist´s....

Frühling…..ja du bist´s….

Je näher wir Ronda kamen, desto mehr verfinsterte sich der Himmel. Rainer Maria Rilke beschrieb Ronda als „unvergleichliche Erscheinung, der auf zwei Felsmassen hinaufgehäufelten Stadt“. Ernest Hemingway empfahl sie sogar als Ziel für die Flitterwochen, uns kam sie ein bisschen raubeinig daher, allerdings mit Charme.

Ronda

Ronda liegt auf einem Felsplateau über dem Guadalevin Fluss und wird von einer 100 m tiefen Schlucht spektakulär in zwei Teile gespalten. Die „Neue Brücke“, errichtet 1793, erinnert in ihrer Form an einen zwischen die Schluchtabhänge getriebenen Keil.

Der Raum, der sich im Inneren des obersten Brückenabschnitts befindet, wurde als Gefängnis genutzt!

Der Raum, der sich im Inneren des obersten Brückenabschnitts befindet, wurde als Gefängnis genutzt!

Die Brücke ist das Wahrzeichen der Stadt

Die Brücke ist das Wahrzeichen der Stadt

Alte Brücke

Alte Brücke

In Ronda steht die älteste Stierkampfarena Spaniens, die auch die Wiege des Stierkampfes zu Fuß ist. Das Museum in der Arena zeigt unter anderem nostalgische Gewänder und Plakate.

Das Lachen verging mir erst in Sevilla!

Das Lachen verging mir erst in Sevilla!

Am Montag, 4. und Dienstag, 5. April schlossen wir unsere Andalusienrundfahrt mit einem zweiten Besuch Sevillas ab. Die nachgeholte Besichtigung  des Turmes und der Kathedrale sind im Sevilla-Post verewigt.

¡Adiós Espana!

Bem-vindo em Portugal!

Stausee beim Königspfad

Die „Großen Drei“ – GRANADA, Córdoba und Sevilla

25. April 2016 von sissy | Keine Kommentare

Am Osterwochenende standen wir von Karfreitag, 25. bis  Ostermontag, 28. März am Campingplatz „Reina Isabel“ in La Zubia bei Granada. Wir mussten ein paar Tage auf die Karten für den Besuch der Alhambra warten. Die täglich bis zu  8.000 Besucher werden zu einem auf der Eintrittskarte festgelegten Zeitpunkt eingelassen.

Granada liegt traumhaft zu Füßen des gigantischen Bergmassivs der Sierra Nevada, in dem die höchsten Gipfel der Iberischen Halbinsel thronen.

Granada

Am Campingplatz parkte drei Plätze weiter ein Womo mit Gmundner Kennzeichen. Man glaubt es kaum, aber im Gespräch hat sich herausgestellt, dass da Ulli mit ihrem Mann unterwegs ist. Ulli, Ulli aus der Nachbarschaft meiner Kindheit! Ich habe gute Erinnerungen an ihren Vater, der in den 70er Jahren des letzten Jahrtausends mein Schwimmtrainer gewesen ist!! Das Leben ist erstaunlich, Lilly auf Sardinien, Ulli in Granada. Sie erzählt uns von einer Wanderung und macht uns die Beine restless: Los Cahorros in Monachil.

Wanderung in Monachil

Am Ostersonntag ist der Busverkehr sehr eingeschränkt, deshalb lassen wir uns von einem Taxi nach Monachil bringen. Der Weg ist zuerst nicht gut ausgeschildert, aber mit meinem Bergfex ist das querfeldein auch kein Problem.

Wanderung Monachil

Wir wandern durch die Schlucht, gehen über Hängebrücken, die gut gewartet scheinen und quetschen uns an Felsen vorbei – das aber nicht sehr lange, denn bei überhängenden Felsen mit Bach neben mir ist die Freude dann doch schnell dahin……Es gibt ja auch andere Wege!

Los Cahorros in Monachil

Los Cahorros in Monachil

Hängebrücken in den Schluchten von Monachil

Der Rückweg zieht sich und zieht sich. Wir latschen von Bushaltestelle zu Bushaltestelle, aber keiner fährt. Ich bin heute noch stolz auf mich, wie sehr ich das Granteln im Zaum halten konnte – 12 km sind ein langer Weg!

Long way home

Kein Bus am Sonntag

Kein Bus am Sonntag

Mandelblüte

Granada, die Stadt, der unzählige Lieder und Gedichte gewidmet sind, hat auch uns vollends begeistert. Granadas großer Dichter Frederico García Lorca meinte: „Die Stunden in Granada seien hier länger und gehaltvoller als in jeder anderen Stadt Spaniens“, ……wir können es ihm nachempfinden.

Ich hätte so gerne ein Konzert in der Alhambra gehört, aber leider stehen erst im Juni wieder welche am Programm. Die Stimmung muss einzigartig sein, ich kann mir in der Umgebung fast jede Musikrichtung vorstellen, besonders gut passt Loreena McKennitt mit ihren mystischen Klängen.

Die unscheinbaren Außenmauern der „Roten Festung“ (Alhambra) verraten nichts von den Schätzen, die uns im Inneren der Palastmauern erwarten und aus gutem Grund 1984 zum Weltkulturerbe ernannt worden sind.

Wir betreten den Königspalast der Nasriden durch ein kleines mit geschnitzten Kragbalken geschmücktes Tor und stehen im Mexuarsaal, in dem man früher Streit geschlichtet, Diebe verurteilt und Betrüger bestraft hat.

kleines, mit herrlich geschnitzten Kragbalken geschmücktes Zugangstor

kleines, mit herrlich geschnitzten Kragbalken geschmücktes Zugangstor

Mexuar Gebetsraum

Mexuar Gebetsraum

Mexuarhof

Mexuarhof

Mexuarhof

Fassade des Comares Palast

Fassade des Comares Palast

Fassade des Comares Palast

Der Myrtenhof (Comares), der seinen Namen von dem, mit Myrten eingefassten Becken hat, war das Zentrum der diplomatischen und politischen Tätigkeit in der Alhambra. Hier warteten wichtige Persönlichkeiten, bis sie vom Sultan empfangen wurden.

"Als in Europa Luftschlösser gebaut wurden, entstanden in Granada Schlösser auf dem Wasser" (Jesus Bermudez Pareja)

„Als in Europa Luftschlösser gebaut wurden, entstanden in Granada Schlösser auf dem Wasser“ (Jesus Bermudez Pareja)

Comares

Verschlungene Sterrne im Botschaftersaal

Verschlungene Sterrne im Botschaftersaal

Lebensbaum

epigraphischer Wandstreifen mit Lebensbaum, der die Sterne des Himmel trägt und seine Wurzeln ins Paradies streckt

Wasser ist in der Alhambra allgegenwärtig. Es fließt gelenkt durch Kanäle in Becken, in denen sich die Säulen und Fassaden anmutig widerspiegeln und sprudelt und plätschert in Brunnen.

Alhambra

Die kunstvollen Inschriften machen die Alhambra zu einem Buch. Die Kalligraphie ist der wichtigste künstlerische Ausdruck des Islam und hat die gleiche Bedeutung wie die Bildnisse der westlichen Kunst.

Der Kalligraph ist der gesellschaftlich am höchsten angesehene Künstler

Der Kalligraph ist der gesellschaftlich am höchsten angesehene Künstler

Gips wurde nicht nur wegen der einfacheren Bearbeitung, sondern auch wegen der luftdurchlässigen Eigenschaft und der Möglichkeit Feuchtigkeitsänderugnen auszugleichen Stein vorgezogen

Gips wurde nicht nur wegen der einfacheren Bearbeitung, sondern auch wegen der luftdurchlässigen Eigenschaft und der Möglichkeit Feuchtigkeitsänderungen auszugleichen, Stein vorgezogen.

Der leicht und luftig wirkende Löwenhof war das Zentrum der Privatresidenz des Sultans. Um den Hof herum lagen die Räume der Frauen, das Herz des Harems.

Patio de los Leones

Bis tief in die Wohnräume reichen die Flüsschen, die aus allen vier Himmelsrichtungen demLöwenbrunnen zufließen.

Bis tief in die Wohnräume reichen die Flüsschen, die aus allen vier Himmelsrichtungen dem Löwenbrunnen zufließen.

Nur bei ganz genauer Betrachtung sieht man, dass alle Kapitelle und Bögen mit verschiedenen Motiven ornamentiert sind. Den nasridische Sinnspruch "Es gibt keinen Sieger außer Allah" findet man immer wieder.

Nur bei ganz genauer Betrachtung sieht man, dass alle Kapitelle und Bögen mit verschiedenen Motiven ornamentiert sind. Den nasridische Sinnspruch „Es gibt keinen Sieger außer Allah“ findet man immer wieder.

Von dieser mit Stalaktiten verzierten Kuppel kann man den Blick erst nach Genickstarre schmerzhaft lösen

Von dieser mit Stalaktiten verzierten Kuppel kann man den Blick erst nach Genickstarre schmerzhaft wieder lösen.

Im Löwenhof

Bis heute sind die Stalaktiten ein unentbehrliches Dekorationsmotiv und von religiöser Bedeutung für die islamische Welt. Dem Propheten Mohammed wurde der Koran direkt vom Erzengel Gabriel in der Höhle von Hira (Stalaktiten) eingegeben, in der er Schutz auf der Flucht vor seinen Feinden suchte. Um die Verfolger abzulenken, verschloss ein Spinnengewebe den Höhleneingang. Die Höhle ist seither ein wichtiger Pilgerort für alle Moslems.

Saal der Könige

Saal der Könige

Lindaraja- Aussichtspunkt öffnet sich zu einem der Innenhöfe

Lindaraja- Aussichtspunkt öffnet sich zu einem der Innenhöfe

Es bereitet Lust für das Auge, spielerisch unterschiedliche Muster an den Fliesenbändern der Alhambra entstehen zu lassen. Ich entdeckte immer wieder neue Kombinationen. Der holländische Zeichner M. C. Escher hat sich angeblich für seine berühmten Wahrnehmungsexperimente mit Mosaikanordnungen und Hintergrund/Figur-Spielen von den Fliesen der Alhambra inspirieren lassen.

Kupfer für die Grüntöne, Kobalt für die Blautöne, Eisen und Mangan für gelb- und honigfarbene Töne.....

Kupfer für die Grüntöne, Kobalt für die Blautöne, Eisen und Mangan für gelb- und honigfarbene Töne…..

Die bunten Glasscheiben, die in einen feinen Holzrahmen eingelassen sind, vergießen vielfarbiges Licht in einem Bereich, der einst Thronsaal gewesen sein mochte.

Die bunten Glasscheiben, die in einen feinen Holzrahmen eingelassen sind, vergießen vielfarbiges Licht in einem Bereich, der einst Thronsaal gewesen sein mochte.

Jeder noch so kleine Innenhof besitzt einen Brunnen.

Jeder noch so kleine Innenhof besitzt einen Brunnen

Der östlich gegenüber der Alhambra liegende Generalife diente einst als Sommresitz der Nasriden-Könige und bietet auch heute einen angenehmen Ruheplatz an heißen Nachmittagen, wenn nicht gerade mehrere Touristentruppen über die Gärten herfallen.

Wasserbeckenhof

Wasserbeckenhof

Wege mit der traditionellen Pflasterung aus kleinen Kieselsteinen

Wege mit der traditionellen Pflasterung aus kleinen Kieselsteinen

Wassereckenhof

Generalife

Die Festung Alcazaba ist der älteste Teil der Alhambra, der ziemlich zerstört ist. Es bietet sich von den Mauern und Wachtürmen ein herrlicher Rundumblick auf Granada.

Alcazaba

Alcazaba

Blick auf den Palast, den Karl V. in die Alhambra setzen ließ - ählich unglücklich wie in Córdoba

Blick auf den Palast, den Karl V. in die Alhambra setzen ließ – ählich unglücklich wie in Córdoba

Granada - der Klang des Wortes verspricht nicht zu viel - "gemacht für Traum und Träumerei" (F.Garcia Lorca)

Granada – der Klang des Wortes verspricht nicht zu viel – „gemacht für Traum und Träumerei“ (F.Garcia Lorca)

Granada, Märchenschloss Alhambra, wir sehen euch wieder!!

 

¡Hasta luego!,

die Womophilen

Granada

Die „Großen Drei“ – CÓRDOBA, Sevilla und Granada

11. April 2016 von sissy | 6 Kommentare

Am Mittwoch, 23. und am Donnerstag, 24. März stellten wir unser Womo am Campingplatz „El Brillante“  in Córdoba ab, von wo aus wir die Innenstadt bequem mit dem Bus erreichen konnten.

Patio in Córdoba

In Andalusien sind Patios (Innenhöfe in Stadthäusern) weit verbreitet. Córdoba ist berühmt für seine vielen wunderschönen, eher kleinen Patios. Jedes Jahr im Mai findet ein Wettbewerb statt, bei dem der schönste gekürt wird. Es werden zu diesem Zeitpunkt viele private, sonst nicht zugängliche Innenhöfe für Einheimische und Touristen geöffnet. Liebend gern wäre ich einmal bei einem Concurso de Patios Cordobeses dabei! So bleibt mir nur der verstohlene Blick in die manchmal halboffenen Privatsphären.

Orangenduft hängt in der Luft

Orangenduft hängt in der Luft

Die „Großen Drei“ bekommen von mir den Beinamen die „Duftenden“. Ich habe noch nie so wohlriechende Städte erlebt. Die Luft um einen ist getränkt in Neroli, überall Orangenbäume in Blüte. Aromatherapie vom Feinsten – und das den ganzen Tag lang. Orangenblüten wirken erheiternd auf die Stimmung, helfen gegen innere Anspannung, Angst und Depressionen. Außerdem besitzen sie eine leicht aphrodisierende Wirkung. ……da geht die Post ab, stimmungsmäßig! 😉

Übrigens: Um einen Liter Neroliöl zu gewinnen, benötigt man eine Tonne Blüten!

Semana Santa begleitete uns auch in Córdoba……

Semana Santa Córdoba

Semana Santa in Córdoba

Semana Santa in Córdoba

Voll der Freude ließen sich die Kinder von den Büßern Wachstropfen auf ihre mit Alufolie überzogenen Styroporkugeln träufeln. Da jede Bruderschaft auch bei den Kerzen eine eigene Farbe hat, haben die Kugeln schön bunt ausgesehen.

Semana Santa in Córdoba

Semana Santa Córdoba
Semana Santa Córdoba
Musikbegleitung Semana Santa in Córdoba
Das Besondere an der Mezquita von Córdoba ist, dass Moschee und Kathedrale im gleichen Gebäude vereint sind. Länger als ein halbes Jahrhundert beteten Christen und Moslems im gleichen Gotteshaus. Wann ist diese Toleranz verloren gegangen??
Die Mezquita ist nach der Alhambra das bedeutendste maurische Bauwerk Andalusiens. Der maurische Baustil mit seinen typischen Stilelementen begeistert uns total, begleitet er uns ja schon seit den Königsstädten in Marokko. Am besten gefallen mir die Hufeisenbögen und die Azulejos (Kachelmosaike).
Mehr als 850 Säulen tragen die Bögen im Gebetsraum

Mehr als 850 Säulen tragen die Bögen im Gebetsraum

Man muss sich selbst in diese Säulenreihen eingefädelt haben, um die Großartigkeit und Harmonie dieses Bauwerks gespürt zu haben. Jeder Schritt verändert die Perspektive. Die symetrische Anordnung und immer gleiche Optik der Hufeisenbögen gibt dem Ganzen trotz der immensen Größe eine meditative Leichtigkeit. Selbst die vielen Menschen störten nicht.

Die am Boden stehenden runden Säulen werden von Bögen überspannt, zwischen denen viereckige Säulen aufragen, die die Basis für eine weitere Bogenreihe liefern - um größere Raumhöhe zu erzielen

Die am Boden stehenden runden Säulen werden von Bögen überspannt, zwischen denen viereckige Säulen aufragen, die die Basis für eine weitere Bogenreihe liefern – um größere Raumhöhe zu erzielen

Die Gebetsnische des Vorbeters ist von einer Pracht und einer handwerklichen Kunstfertigkeit, dass es kaum vorstellbar ist, dass Menschen dieses Allerheiligste der Moschee geschaffen haben. Die aus einem einzigen Marmorblock gehauene Kuppel des Mihrâb Nuevo ist in Form einer Blüte gestaltet und über und über mit geometrischen und floralen Mustern und Koranversen bedeckt, die von byzantinischen Künstlern geschaffen worden sind.

Gebetsnische des Vorbeters

Mihrab Nuevo

Kuppel des Mihrâb Nuevo mit floralen und geometrischen Mustern, Mosaiken und Koranversen

Kuppel des Mihrâb Nuevo mit floralen und geometrischen Mustern, Mosaiken und Koranversen

Christianisierte Capilla Villaviciosa, ehemalige Gebetsnische

Christianisierte Capilla Villaviciosa, ehemalige Gebetsnische

Capilla Villaviciosa

Capilla Villaviciosa

Mezquita Córdoba

Mezquita Córdoba

Während und nach der Regierungszeit Karl V. (1519 – 1556) entstand die Kathedrale  in der Moschee. Man nimmt sie zuerst gar nicht wahr, empfindet sie dann aber als unpassenden Fremdkörper mitten in der Mezquita. Sie ist ein im Auge schmerzender Stilbruch, selbst Karl V. hat seinen Fehler nach der Fertigstellung erkannt.

Kuppel der mitten in die Moschee hineingebauten Kathedrale

Kuppel der mitten in die Moschee hineingebauten Kathedrale

Blick auf die Orgel

Blick auf die Orgel

Hochaltar in der Kathedrale

Hochaltar in der Kathedrale

Das zum Glockenturm umgebaute Minarett ist 60 m hoch. Der Patio de los Naranjos (Orangenhof) wurde erst von den Christen angelegt. Unter den Mauren war die Moschee zum Hof hin völlig offen.

Glockenturm, Orangenhof mit Wasserbecken für rituelle Waschungen

Glockenturm, Orangenhof mit Wasserbecken für rituelle Waschungen

Außenfassade der Mezquita

Außenfassade der Mezquita

Zum Abend hin setzten wir uns noch einmal in eine Bar um ein Bierchen und ein paar Tapas zu genießen. Wir sind noch nie so viel essen gegangen wie in Andalusien, Tapas sind eine geniale Erfindung. Es ist bekannt, dass diese Tradition ihren Ursprung in Sevilla hat. Kellner deckten (tapar) die servierten Getränke mit kleinen Tellern ab, um sie vor Fruchtfliegen zu schützen. Irgendjemand kam auf die Idee, Kleinigkeiten auf die Teller zu legen, um so die Getränke attraktiver zu machen. Die Tapas wurden ein echter Verkaufsrenner – und warum bitte, hat sich diese grandiose Idee noch niemand bei uns zuhause abgeschaut???? Man bestellt ein Bier nach dem anderen, weil man schon gespannt auf die nächste Runde Tapas wartet, die übrigens ganz ohne Bestellung geliefert wird.

Mit der Wahl der Tapasbar hatten wir riesiges Glück. Die Tapas schmeckten herrlich, das Heizschwammerl wärmte zusätzlich und erste Reihe fußfrei genossen wir das Schauspiel von zwei weiteren Semana Santa Prozessionen.

Semana Santa in Córdoba

Semana Santa in CórdobaAm Heimweg konnten wir fast nicht mehr aus der Stadt hinaus, weil alles abgesperrt war. Als Entschädigung durften wir auch noch einen Trägerwechsel miterleben. Der Altar wird auf Kommando abgestellt, dann kriechen zehn verschwitzte, abgekämpfte Männer hervor und übergeben mit Handschlag an die wartenden Träger. Mit Elan positionieren sich diese unter dem Altar und auf Kommando wird wieder angehoben. Mit Applaus begleitet schaukelt sich der Aufbau ein – und es geht weiter.

Semana Santa Córdoba
Die Trägerablöse wartet schon

Die Trägerablöse wartet schon

Semana Santa in Córdoba

¡Hasta luego!,

die Womophilen

 "Futterplatz"

Die „Großen Drei“ – SEVILLA, Cordoba und Granada

9. April 2016 von sissy | 2 Kommentare

Arcos de la Frontera

Am Palmsonntag, 20. März besichtigten wir auf unserem Weg nach Sevilla Arcos de la Frontera, ein weiteres „Weißes Dorf“,  in dem wir zum ersten Mal mit Semana Santa in Berührung gekommen waren.

Palmsonntag in Arcos de la Frontera

Palmsonntag in Arcos de la Frontera

Die Karwoche, „Heilige Woche“ (Semana Santa), wird in ganz Andalusien mit einer Begeisterung zelebriert, die uns völlig fremd gewesen ist. Zwischen Palmsonntag und Ostersonntag finden in vielen Orten und Städten Prozessionen statt, die man kaum beschreiben kann. Auf der einen Seite läuft das Geschehen für die direkt an der Prozession beteiligten Hauptakteure ganz ernst und tief religiös ab, auf der anderen Seite hat es für die am Straßenrand stehenden „Zuschauer“ fast fröhlichen Jahrmarktcharakter mit Getränken, Naschereien und lautstarken Unterhaltungen.

Im Mittelpunkt der Prozessionen stehen die wertvollen, kunstvoll geschmückten, sehr oft uralten Jesus- und Marienstatuen bzw. ganze Altäre, von denen der schwerste ganze 5 t wiegt. Diese werden aus den Dörfern oder Vierteln der jeweiligen Bruderschaften in die Kathedrale getragen, wobei beim Durchqueren der engen Gassen Millimeter- und perfekte Teamarbeit angesagt sind, tragen doch acht, zehn oder mehr junge Männer die schweren Podeste auf ihren Schultern. Die Büßer, die in ihren Kutten und den Spitzhauben á la Ku-Klux-Klan die Prozession begleiten, geben ein skurilles Bild ab. Die Musikkapellen mit ihren dumpfen Trommeln und vom Flamenco beeinflussten Klängen runden das Schauspiel ab. In Arcos de la Frontera bewirkte der plötzlich einsetzende Regen ein fluchtartiges Auseinanderstoben der Musiker. Die absterbende Musik erinnerte uns an alte Zeiten, wenn die Plattenspielernadel aus der Rille gesprungen war und quer über das Vinyl kratzte. Hallo, kann sich noch jemand an dieses Geräusch erinnern???

Semana Santa in Sevilla

Semana Santa in Sevilla kurz vor dem Einzug in die Kathedrale

In einigen Brüderschaften dürfen jetzt auch Frauen als Büßerinnen teilnehmen

In einigen Brüderschaften dürfen jetzt auch Frauen als Büßerinnen teilnehmen

In der ganzen Innenstadt gab es Absperrungen und riesige, mit Stühlen gefüllte Flächen. Wenn man eine Sitzmöglichkeit in der ersten Reihe möchte, muss man diese schon Monate zuvor buchen.  Der Höhepunkt der Heiligen Woche ist am Karfreitag, wenn ab Mitternacht alle 58 Cofradias (Bruderschaften) der Stadt unterwegs sind.

Vor dem Rathaus

Vor dem Rathaus

Die Kathedrale von Sevilla wurde auf einer ehemaligen Moschee errichtet, von der noch einige Reste erhalten sind, wie der wunderschöne Orangenhof und die Giralda, heute das Wahrzeichen der Stadt. Die Domherren von Sevilla beschlossen Anfang des 15. Jahrhunderts eine Kathedrale zu errichten, die von derartigen Ausmaßen sein sollte, „dass künftige Generationen uns für verrückt erklären werden“. Das ist wahrhaft gelungen, sie ist heute noch die drittgrößte Kirche der Christenheit und die größte gotische Kathedrale der Welt.

Sevilla Blick vom Torre del Oro

Der größte gotische Altar der Welt mit 44 Reliefs und über tausend Figuren, die das Leben Christi darstellen

Der größte gotische Altar der Welt mit 44 Reliefs und über tausend Figuren, die das Leben Christi darstellen

Wohin mit meinem Blick??

Wohin soll sich unser Blick wenden?

Sarkophag von Christoph Kolumbus

Sarkophag von Christoph Kolumbus

Reich geschmücktes Portal der Kathedrale

Reich geschmücktes Portal der Kathedrale

Kathedrale von Sevilla

Blcik auf die Kathedrale von Sevilla

Blick auf die Kathedrale

La Giralda, der heutige Glockenturm der Kathedrale wurde als Minarett erbaut. Im Inneren des Turms kann man über eine 2,5 m breite Rampe, damit zwei Pferde nebeneinander hinaufreiten konnten, bequem bis zur Plattform emporsteigen. Heute trampeln anstatt der Pferde zwei Besucherströme durch den Gewölbegang, einer hinauf, der andere hinunter. Der sagenhafte Blick über Sevilla lohnt den Aufstieg allemal. Den höchsten Punkt der Giralda bildet die Bronzefigur „La Giraldilla“, die sich trotz ihres Gewichtes von 28 Zentnern mit dem Wind um ihre eigene Achse dreht.

Blick auf Sevilla

Blick über Sevilla

Sevilla -Giralda der Kathedrale

Die Heimat des Don Juan, der Carmen und des berühmten Barbiers besuchten wir gleich zweimal, weil während der Karwoche die Kathedrale und der Turm nicht zugänglich gewesen waren.

Durch dieses Tor betritt man einen orientalischen Palast wie aus 1001 Nacht

Durch dieses Tor betritt man einen orientalischen Palast wie aus 1001 Nacht

Reales Alcázares heißt der mittelalterliche Königspalast von Sevilla und wird heute noch von der spanischen Königsfamilie als Residenz genutzt, wenn sie sich in der Stadt aufhält.

Patio de las Doncellas (Damenhof)

Patio de las Doncellas (Damenhof)

Patio de las Doncellas

Holzarbeiten maurischer Künstler

Holzarbeiten maurischer Künstler

Blick auf den Botschaftersaal

Blick auf den Botschaftersaal

Der Eindruck täuscht ein bisschen, darunter stehen Hunderte mit gezückten Kameras. Es ist für mich oft sehr amüsant zu beobachten, wie Rudi dank seiner Größe über alle hinweg fotografieren kann. Kostprobe gefällig?

Hilfe, so viele Leute!

Ich kann mich nicht satt sehen an diesen fein gemeißelten Kunstwerken

Ich kann mich nicht satt sehen an diesen fein gemeißelten Kunstwerken

Die Gärten der Reales Alcázares sind eine Art paradiesische Insel inmitten der Stadt. Wir genossen ein Cerveza im Café und wollten den magischen Ort fast nicht verlassen.

Garten in der Reales Alcázares

Ob ein Stierkampf zu einem Andalusienaufenthalt dazugehört oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für uns gilt: Einmal und nie wieder!

Real Maestranza Sevilla

Es ist ein grausames Schauspiel, das sich in den letzten 20 Minuten im Leben eines Kampfstieres abspielt und rechtfertigt in keiner Weise, dass er ja im Vergleich zu seinen Artgenossen, die schon nach 18 Monaten zum Verzehr geschlachtet werden, ein vier- bis fünfjähriges Leben auf saftigen, grünen Weiden genießen durfte.

Picadores

Picadores

Nachdem der Matador den Stier „kennengelernt“ hat, kommt der Picador auf einem gepanzerten Pferd und sticht mit einer Lanze in den Nackenmuskel des Stiers, um ihn zu schwächen.

Anschließend kommen drei Banderilleros, die dem Stier je zwei 65 cm lange, mit Widerhaken versehene Spieße in den Nackenmuskel setzen um ihn weiter zu schwächen und zu zwingen, den Kopf unten zu halten. Gleichzeitig will man damit seine Angriffslust reizen, was auch gelingt. Die Stiere versuchen in wildem Galopp und mit fahrigen Bewegungen die Spieße loszuwerden und schwächen sich dabei selbst.Stierkampf Sevilla

Den letzten Akt erledigt der Matador. Er ist ein erfahrener Stierkämpfer und sollte den Stier, nachdem er ihn mehrmals eng an seinem Körper mit dem roten Tuch vorbeigeführt hat um das Senken seines Kopfes zu veranlassen, mit einem Degenstich zwischen die Schulterblätter töten. Wir haben dieses grausame, blutrünstige Spektakel vorzeitig abgebrochen und vier der sechs Tötungen gesehen, kein einziger Stier war beim ersten Stich tot. Leider wird mir das Bild des immer stolzer herumgockelnden Matadors , das sich reziprok zum Gemütszustand des Stieres verhielt, für immer in Erinnerung bleiben.

Pferde schleifen den toten Stier würdelos aus der Arena

Pferde schleifen den toten Stier würdelos aus der Arena

Angewidert und ohne Verständnis für diesen Brauch verließen wir mit hängenden Köpfen die Arena. Wir sind uns nicht mehr sicher, ob wir auch in Zukunft Tapas „Rabo de Toro“ (geschmorter Stierschwanz) unvoreingenommen genießen können.

¡Hasta pronto!,

die Womophilen

Sevilla

 

Bienvenido a Andalucia

8. April 2016 von sissy | 5 Kommentare

Von Ceuta nach Algeciraz

Die Fahrt von Ceuta nach Algeciras war kurz und zügig. Wie gut doch das Verlassen der Fähre funktioniert, wenn ein Lotse die Autos aus dem Rumpf dirigiert!

Von Dienstag, 15. März bis Donnerstag, 17. März ließen wir am Campingplatz „Torre de la Pena“ bei Tarifa unsere Marokkoreise Revue passieren. Tarifa, der südlichste Punkt Europas, ist gerade einmal 14 km von Marokko entfernt – der Unterschied, hier oder dort geboren worden zu sein ist unvorstellbar und unsere Dankbarkeit für unseren Geburtsort grenzenlos.

Am Strand von Tarifa

Das Meer vor Tarifa ist die Nahtstelle zwischen dem friedlichen Mittelmeer und dem unberechenbaren Atlantik, ähnlich verhält es sich mit dem Wind. Hier ist das Paradies für Surf- und Kitegötter, die sich spektakulär über das Wasser jagen lassen. Schaut nach wahrem Genuss aus! Wir machten einen 12 km langen Strandspaziergang, sandgestrahltes Feeling inkludiert.

Am Strand von Tarifa

Nichts für Anfänger!

Topziel für Surfcracks

Topziel für Surf- und Kitecracks

Das kaum bebaute Hinterland bietet einen optimalen Rastplatz für Zugvögel auf dem Weg nach Afrika und ist deshalb unter Naturschutz gestellt. Der ständige Wind ist nichts für mich, bewirkte aber, dass hier 1993 das größte Windkraftwerk Europas in Betrieb genommen worden ist.

Windräder in Tarifa

Am Strand von Tarifa

Die Weißen Dörfer (Pueblos blancos) zählen zu den Highlights in Andalusien. Ein Großteil von ihnen liegt idyllisch eingebettet in Berglandschaften. Auch an trüben und bewölkten Tagen leuchten sie schon aus der Ferne. Die Dörfer sind maurisch beeinflusst mit ihren engen, krummen Gassen, die häufig von Bögen überspannt werden. Die Fenster in den weiß gekalkten Fassaden werden oft mit schwarzen Eisengittern gesichert.

Am Freitag, 18. März machten wir uns auf den Weg nach Cádiz und statteten vorher Vejer de la Frontera (Pueblo blanco) einen Besuch ab. Das Dorf  liegt auf einem Hochplateau, 9 km von der Küste entfernt.

Vejer de la Frontera

Castillo - Vejer de la Frontera

Castillo – Vejer de la Frontera

Vejer de la Frontera

Vejer de la Frontera

Unser Tagesziel erreichten wir mit der Anfkunft am Campingplatz „Las Dunas“, direkt am herrlichen Sandstrand der quirligen Stadt El Puerto de Santa María. Die Stadt war Ausgangspunkt der zweiten und vierten Expedition von Christoph Kolumbus und anschließend wichtiger Hafen für den Handel mit den neuen Kolonien.

Strandleben vor dem Campingplatz

Strandleben vor dem Campingplatz

El Puerto de Santa María

El Puerto de Santa María

El Puerto de Santa María

El Puerto de Santa María

Wir näherten uns Cádiz, das auf einem aus dem Meer ragenden Muschelkalkfelsen am Ende einer 9 km langen Meerzunge liegt, über den Wasserweg. Cádiz ist die älteste Stadt Europas. Uns hat sie zu einem entspannten Bummel durch die Altstadt, das Marktgelände (Köstlichkeiten en masse!) und einem Rundgang im Park Genovés  eingeladen.

Über das Meer nach Cádiz

Cádiz

Cádiz

Verglaste Balkone zum Schutz vor den Winterstürmen

Verglaste Balkone zum Schutz vor den Winterstürmen

Vorbereitungen für Semana Santa

Vorbereitungen für Semana Santa

Der Jámon serrano wird traditionell mit der Hand geschnitten

Der Jámon serrano wird traditionell mit der Hand geschnitten

Tunfisch - die besten Stücke grillten wir am Abend- sooo lecker!

Tunfisch – die besten Stücke grillten wir am Abend- sooo lecker!

Moräne - Begegnung im Wasser aus optischen Gründen unerwünscht

Moräne – Begegnung im Wasser aus optischen Gründen unerwünscht

frischer Wildspargel

frischer Wildspargel

Markt in Cádiz

Park Genovés

Park Genovés

Hasta luego,

die Womophilen

Vejer de la Frontera

Schneller Abschied

4. April 2016 von sissy | 2 Kommentare

Glücklich, eine schöne Zeit gemeinsam in Marrakesch verbracht zu haben, verlassen auch wir die Stadt am Sonntag, 13. März.

Minarett derKoutoubia-Moschee

Minarett derKoutoubia-Moschee

Die Koutoubia misst 90x60 m, 112 Pfeiler stützen 17 Schiffe

Die Koutoubia misst 90×60 m, 112 Pfeiler stützen 17 Schiffe

Jardin Majorelle

Marrakesch

Auf gottverlassenen Straßen führt uns das Navi nach Norden, Richtung Casablanca, das wir aber links liegen gelassen haben. Von den Einheimischen kurz Casa genannt, ist sie die größte Stadt und wichtigste Industriemetropole Marokkos.

Extra für dich, Reinhard!

Extra für dich, Reinhard!

Am Weg nach Mohammedia

Wir fahren noch 30 km weiter, bis nach Mohammedia, wo wir uns am Campinplatz „Océan Bleu“ für zwei Nächte einquartieren. Er liegt zwar am Meer, aber ziemlich schrecklich eingekeilt zwischen Neubauten. Die Brandung an diesem felsigen Strand ist viel zu gefährlich, deshalb beschränken wir uns auf Spaziergänge.

Campingplatz Mohammedia

Am Mittwoch, 15. März wollen wir bis Tanger Med fahren und ein letztes Mal in Marokko übernachten. Der Küstenabschnitt von Mohammedia nach Norden erlebt einen Bauboom, der einen erschreckt. Lauter bewachte, leerstehende, gigantisch große Appartmentanlagen sind zu sehen. Rundherum wird auf Riesenplakaten für die Anlagen mit Pools geworben. Wurde das alles für den Tourismus gebaut,  oder doch auch für Einheimische?

Sechsspurig führt die Straße in die Königsstadt Rabat. Solche Boulevards, die den Namen des Königs tragen, gibt es in allen vier Königsstädten. Bei der Einfahrt  in die Städte  und  der Ausfahrt aus den Städten wird von viel Polizeiaufgebot jedes Auto kontrolliert. Bedrohlich wirken die Nagelgurte, die die Straßen auf ein Nadelöhr verengen und die Maschinengewehre der Royal Police.

Boulevard nach Rabat

...nicht allen geht es gut....

…nicht allen geht es gut….

Wir kommen wieder nach Rabat, fahren an der Kasbah des Oudaias vorbei, die wir fast auf den Tag genau vier Wochen zuvor besichtigt haben und werden ein bisschen wehmütig, so vieles haben wir erlebt.

Viele Überwinterer sind auf der Heimfahrt nach Europa, deshalb wollen wir noch die Fähre für den nächsten Tag buchen. Kurz vor dem Hafen geht es dann Schlag auf Schlag, Rudi kauft aus Preisgründen ein Ticket für eine Fähre von Ceuta nach Algeciras, die bereits in zwei Stunden ablegen soll. Die paar Kilometer von Tanger nach Ceuta sind schnell gefahren, die Zollformalitäten mit der Frage: „Haben Sie einen Hund?“ und der Antwort: „Nein“, erledigt. Fünf Minuten nach dem Abstellen des Womos auf der Fähre legen wir ab und freuen uns auf Europa.

Am Weg nach Ceuta

Am Weg nach Ceuta

Felsen von Gibraltar - Europa in Sicht

Felsen von Gibraltar – Europa in Sicht

Marokko, das war ein schneller Abschied, aber wir sehen uns sicher wieder!

Inschallah,

die Womophilen

 

Marrakesch – krönender Abschluss

31. März 2016 von sissy | 4 Kommentare

Durch das Tal der Ammeln, benannt nach dem dort lebenden Berberstamm, verließen wir am Mittwoch, 9. März Tafraoute.

Faszinierende Landschaft im Tal der Ammeln

Faszinierende Landschaft im Tal der Ammeln

Dorf im Tal der Ammeln

Dorf im Tal der Ammeln, die Hauswände sind in Braun,Ocker, Rosa und Blau gehalten.

Im Tal der Ammeln

Im Tal der Ammeln

Im Hochtal des Qued Baha bot sich uns ein fast Rundumblick auf den Agadir Tizrgane, der malerisch auf einem Tafelberg thront. Das Dorf mit dem Getreidespeicher stammt aus dem 13. Jahrhundert. Agadire sind steinerne Speicherburgen, in denen die Ernte und wichtige Familiengüter der Dörfer aufbewahrt werden. Ich habe gelesen, dass es innerhalb der Speicher bis zu 300 Fächer gibt, die man verschließen kann. Den Schlüssel verwahrt das jeweilige Familienoberhaupt. Viele dieser Agadire sind noch immer in Gebrauch und werden deshalb nachts bewacht.

Agadir Tizrgane

Agadir Tizrgane

Agadir Tizrgane

Agadir Tizrgane

Dorf mit Agadir

Dorf mit Agadir

Weiter ging's aud der fast menschenleeren Hochebene

Weiter ging’s auf der fast menschenleeren Hochebene

Rudi bekam halbstündige Fotografierverbote

Rudi bekam halbstündige Fotografierverbote….

…..und wir erreichten doch noch Ait Meloud, von wo aus wir über eine Schnellstraße nach Agadir düsten um dann über die A4 unser Tagesziel Marrakesch zu erreichen.

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Das Navi führte uns wieder einmal quer durch die Stadt, auf zweispurigen Straßen ist man mindestens vierspurig unterwegs und dabei sind noch nicht einmal die links und rechts vorbeizischenden Mopeds und Motorräder und die nach Lust und Laune straßenquerenden Fußgänger eingerechnet, ist hier immer Rushour?? Ich bewundere den Womofahrer meines Vertrauens, der geschickt unser Gefährt hier durchmanövriert, wohlwissend, dass er für alle sich uns nähernden und überholenden Fahrer mitdenkt, weil er genau weiß, dass er sich hier nicht auf allgemein gültige Verkehrsregeln verlassen kann.

Der krönende Abschluss unserer Marokkoreise war der Besuch der letzten der vier Königsstädte mit Julian.

Wie in 1001 Nacht lebten wir fünf Tage, vier davon mit Womophil Junior, am Campingplatz „Manzil La Tortue“, dem sicherlich schönsten in ganz Marokko.  Er liegt ca. 15 km außerhalb der Stadt und ist 5 km lang nur über staubige Pisten zu erreichen. Man glaubt gar nicht, da noch irgendwo anzukommen, doch wenn sich das automatische Eisentor öffnet, ist man in einer anderen Welt.

Womophil Junior hat ein Händchen für Unterkünfte zum Wohlfühlen!

Womophil Junior hat ein Händchen für Unterkünfte zum Wohlfühlen!

Eingang zu Julians Berberzelt

Eingang zu Julians Berberzelt…

....Orangenbäume und Palmen im Vorgarten

….Orangenbäume und Palmen im Vorgarten

Den ersten gemeinsamen Nachmittag und Abend verbrachten wir mit Quatschen, Spaß haben und Grillen. Es gibt hier ganz geniale runde Tische mit einer Grillplatte in der Mitte, serviert wird, was das Herz begehrt.

Gwürze und Marinaden für Fleisch und Gemüse

Gewürze und Marinaden für Fleisch und Gemüse

Es duftet und brutzelt schon

Es duftet und brutzelt schon

Der einzige Nachteil des Campingplatzes ist, dass man nur mit einem Taxi nach Marrakesch kommt, den macht aber die Pünktlichkeit der Fahrer gleich wieder wett!

Sich in Marrakesch einfach nur aufzuhalten, ist schon ein Erlebnis der besonderen Art. Und genau das haben wir zelebriert!

Marokkos berühmtester Platz

Marokkos berühmtester Platz

Djemaa El Fna, der pulsierende zentrale Marktplatz Marrakeschs zieht einen sofort in seinen Bann. Der Name bedeutet in etwa „Versammlungsplatz der Getöteten“ und weist darauf hin, dass hier einst die aufgespießten Köpfe der Hingerichteten zur Schau gestellt wurden, wie makaber!

Man weiß nicht, wo man zuerst hinsehen soll! Schlangenbeschwörer, Gaukler, Henna-Malerinnen, Verkaufsstände, Garküchen, Menschen aus aller Herren Länder und die Eingänge in die Souks. Der Geräuschpegel ist ohrenbetäubend. Aus allen Richtungen hört man schrille Flötentöne, paukende Trommeln, dudelsackähnliche Töne und den Muezzin. Es duftet von den leckeren Essensständen, Gewürzen, frischem Zitronen- und Orangensaft – ein Spektakel für alle Sinne! Wir tauchen in die Souks ein und lassen uns treiben.

Souk Marrakesch

Orientalische Süßigkeiten

Orientalische Süßigkeiten

Babouches in allen Farben

Babouches in allen Farben

Souk Marrakesch

Mopeds und turmhoch beladene Schubkarren zwängen sich durch die engen, am Abend auch noch mit Menschenmassen vollgestopften Gassen.

In Marrakeschs Souk

Marrakesch Souk

Marrakesch Souk

Marrakesch Souk

Hier wird genau registriert, wohin der Blick schweift und die Händler können ganz unschön aufdringlich werden. In der Zwischenzeit haben wir ja gelernt, dass der halbe Preis des ursprünglichen Verkaufspreises ganz gut ist. Wenn man gar zu grob unterbietet, wird das Geschäft entweder nicht abgeschlossen oder der Verkäufer läuft einem doch noch nach.

Marrakesch Souk

Marokkos Orangen und Mandarinen schmecken herrlich fruchtig und süß. Sie sind auch nicht so „aggressiv“ wie bei uns zuhause, wo sie bei mir meistens einen Ausschlag im und um den Mund verursachen.

Am Abend wird in den Garküchen gekocht und gegrillt. Die Köstlichkeiten werden gleich rund um den Kochstellen verspeist. Allerhand Abstruses ist zu sehen und zu riechen: Gekochte Kuh- Schafs-und Ziegenfüße, Zungen und Innereien, die bei den Einheimischen regen Absatz finden.

Julian und ich zogen Fleischspieße vor, Rudi wählte eine Tajine, neben Couscous Marokkos Nationalgericht. Die Tajine gibt es in unzähligen Varianten mit Lamm- oder Rindfleisch, Huhn oder Fisch garniert mit Gemüse, Datteln, Oliven und Nüssen oder gänzlich vegetarisch. Kaum sind wir gesessen, standen auch schon Oliven und verschiedene Aufstriche mit Brot am Tisch. Einfach himmlisch!

Garküchen in Marrakesch

Garküche Marrakesch

Der Geruch rund um diese Garküche ist gewöhnungsbedürftig, hier werden Schnecken in einem Kräutersud gegart. Hoffentlich bleibt es uns erspart, nach unserer Rückkehr im Garten eine solche aufzustellen und all unsere Freunde zum Schneckenschlürfen einzuladen! Eines wäre sicher: Das lästige aus dem Hauskletzeln bliebe bei den heimischen Schnecken erspart! ;(

Garküche Marrakesch

Der Dunst der Garküchen begleitete uns auch noch auf die Terrasse des Restaurants, in dem wir noch einen marokkanischen Whiskey, einen Pfefferminztee mit viiiiel Zucker (Lösung kurz nach der Sätttigung) zu uns nahmen. Es war wunderschön, den Abend hier oben ausklingen zu lassen, auf das Gewusle unter uns zu schauen und dem Muezzin zu lauschen.

Marrakesch bei Nacht

Marrakesch bei Nacht

Marrakesch bei Nacht

Kulturell haben wir Marrakesch auf den Bahia Palast und den Jardin Majorelle beschränkt.

Der Bahia Palast hat gigantische Ausmaße, besitzt über 160 Räume und unzählige Patios (Innenhöfe). Sein andalusischer und maurischer Baustil vermittelte uns schon einen Vorgeschmack auf Spanien. Fast in jedem Raum sind kunstvolle Fliesen aus Marmor, wunderschöne Mosaike und Zimmerdecken aus geschnitztem Zedernholz. Die traumhaften Innenhöfe mit ihren Bogengängen und üppigen Pflanzen sind eine Augenweide. Der Bahia Palast diente als Kulisse für zahlreiche Filme und wird heute noch für die Unterbringung von Staatsgästen genutzt. Patio im Bahia Palast

Zimmerdecke im Bahia Palast

Bahia Palast in Marrakesch

Der Jardin Majorelle ist eine Oase mitten in der Stadt, allerdings mit einem happigen Eintrittspreis.Yves Saint Laurent hat den Garten des französischen Malers Jaques Majorelle vor dem Verfall bewahrt Das spezielle Kobaltblau, das man im Garten immer wieder sieht, heißt nach ihm Majorelle-Blau. YSL holte sich hier die Inspiration für seine Kollektionen, nach seinem Tod wurde seine Asche im Rosengarten verstreut.

 

Le Jardin Majorelle

Le Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Jardin Majorelle

Viel zu schnell waren unsere gemeinsamen Tage in Marrakesch vorbei, wir tranken einen letzten gemeinsamen Thé vert a là menthe und brachten Julian zum Flughafen. In seinen Ohren klingt noch immer das freundliche: „Some more tea, Sir? Of course, Sir! You are welcome, Sir!“, nach.

Abschiedstee Manzil La Tortue

Abendstimmung Manzila La Tortue

Abendstimmung am Manzil La Tortue

Abendstimmung am Manzil La Tortue

Salam,

die Womophilen

Flughafen Marrakesch

Durchs Arganland von Agadir nach Tafraoute

28. März 2016 von sissy | 5 Kommentare

Sehr entspannte Tage verbrachten wir von Mittwoch, 2. März bis Montag, 7. März am Campingplatz „Atlantica d’imourane“,  14 km nördlich von Agadir. Hier hat sich die Infrastruktur total an die vielen europäischen Dauercamper angepasst, die die Wintermonate hier verbringen, inklusive Preisgefüge.

Zum ersten Mal am Atlantik - der Tidenhub ist gewaltig

Zum ersten Mal am Atlantik – der Tidenhub ist gewaltig

Warten auf die Flut

Warten auf die Flut

Agadir ist das bedeutendste marokkanische Badezentrum mit einem mehrere Kilometer langen , feinsandigen Strand und einem Klima mit Sonnengarantie. Für uns war es hier wenig marokkanisch, wir machten einen Badeurlaub mit fischen, sonnen, lesen und ausgedehnten Strandspaziergängen. Fast jeden Tag kam der Fischer auf seinem Rad mit einer kleinen, aber feinen Fischauswahl vorbei. Die Obst- und Gemüsehändler zogen mit ihren Karren durch die asphaltierten Straßen. Schattenspender auf unserem Stellplatz waren die links und rechts von uns stehenden Superliner, die unser Heim fast zum Gesindewomo degradierten.

Am Strand von Agadir

Am Sonntag fährt man mit Opa, Kind & Kegel zum Meer

Am Sonntag fährt man mit Opa, Kind & Kegel ans Meer

Am Strand von Agadir

Am Campingplatz gab es eine Autowaschanlage, einen Künstler, der die Womos bemalte, einen Polsterer und einen Näher für Markisen, Windschutzscheibenabdeckungen und Fahrradhüllen, für alles also, was das Womoherz begehrt.

Marokko - verewigt am Womo

Marokko – verewigt am Womo

Am Montag, 7. März organisierten Youssef und sein Vater, Italiener mit marokkanischen Wurzeln, die wir auf der Fähre kennengelernt hatten, für uns und ihre italienischen Freunde einen Besuch in einer Argan- Kooperative in Ait Amira.

Besuch der Argan-Kooperative in Ait Amira

„Baum des Lebens“ wird die Arganie im Südwesten Marokkos genannt, versorgt die Berber mit Holz als Brennstoff und dient als Gerüst für ihre Häuser. Das dornige Gewächs gehört zu den ältesten Bäumen der Welt, das einst in Nordafrika weit verbreitet war.  Die weit verstreut wachsenden Bäume mussten aber besonders um Agadir Gewächshäusern und Gemüseanbau weichen. Ein 820 000 Hektar großes Gebiet im Südwesten von Marokko wurde 1995 von der UNESCO zum gesetzlich geschützten Biosphären-Reservat ernannt.

wenn am Boden alles kahl ist, wird ein Stockwerk höher geschaut

Wenn am Boden alles kahl ist, wird ein Stockwerk höher geschaut!

Arganbaum mit Ziegen

Ziegen lieben Arganblätter und -nüsse

Ziegen lieben Arganblätter und -nüsse

Der dornige Arganbaum, der bis zu 10 m hoch werden kann, passt so wunderbar in diese karge Landschaft. Selbst Biologen rätseln darüber, warum er nur im Südwesten Marokkos gedeiht. Seine ausladende Krone kann mehr als 70 m Umfang erreichen. Der Arganbaum kann lange Trockenheit und bis über 50° C aushalten. Wegen seines harten Holzes wird er auch „Eisenholzbaum“ genannt.

Arganbaum

Seit einigen Jahren gibt es einen richtigen Hype um dieses Öl, es wurde sowohl von der Kosmetikindustrie als auch von Spitzenköchen entdeckt.

Die äußere Schale ist 15mal härter als die von Haselnüssen

Die äußere Schale ist 15mal härter als die von Haselnüssen

Je nach Qualität lassen sich aus etwa 100 kg Arganfrüchten zwischen 10 und 20 kg Samenkerne gewinnen, aus diesen wird bestenfalls ein einziger Liter Öl gepresst. Arganöl, das weiße Gold Marokkos!

Die zweite, weichere Schale wird als Tierfutter verwendet

Die zweite, weichere Schale wird als Tierfutter verwendet

Händisch werden die Kerne von Schalenresten befreit

Händisch werden die Kerne von Schalenresten befreit

Der Arganbrei wird auf Vlies aufgetragen.....

Der Arganbrei wird auf ein Vlies aufgetragen…..

...und gepresst

…und gepresst

Ölmühle der Berberinnen

Ölmühle der Berberinnen

Bei den Berbern war die aufwändige Herstellung immer Frauensache. Im Jahr 2002 wurde in Tiout eine erste Kooperative gegründet, unterstützt vom Fürstentum Monaco und einer Stiftung von König Mohammed V. Seither entstehen immer mehr solcher Gemeinschaftsprojekte im ländlichen Marokko. Die Berber nutzen das Öl schon seit Jahrhunderten zur Haut- und Haarpflege und zur Behandlung von Wunden und Entzündungen. Die gerösteten Arganfrüchte werden zur Gewinnung von Speiseöl verwendet und verleihen ihm den typischen, nussigen Geschmack. Das zu 80 Prozent aus ungesätttigten Fettsäuren bestehende Öl hilft außerdem den Cholesterinspiegel zu senken.

Nach der Führung und erfolgreichem Einkauf speisten wir die beste Tajine bei einem Freund von Youssefs Vater. Das frisch vor der Tür in einem Lehmofen gebackene Brot war zum Dahinschmelzen. So einfach – und so gut!!!

Die fertigen Tajinen warten auf Abnehmer

Die fertigen Tajinen warten auf Abnehmer

Die erste Tajine war mit Rindfleisch, die zweite mit Hühnerfleisch und Rosinen

Die erste Tajine war mit Rindfleisch, die zweite mit Hühnerfleisch und Rosinen

Ich will auch so einen Ofen!!!

Ich will auch so einen Ofen!!!

Nach dem Teezeremoniell verabschiedeten wir uns mit der schönen Aussicht auf ein Treffen am Gardsee!

Unsere Reise führte uns weiter über Tiznit und die Täler und Höhen des Antiatlas bis nach Tafraoute. Eigentlich wollten wir hier nur übernachten, aber die dramatisch aufgetürmten Felswände, die am Abend in ein zartes Rosa getaucht waren, verzauberten uns dermaßen, dass wir unseren Aufenthalt am Campingplatz „Granit Rose“ verlängerten. Außerdem kochte Omar, der Chef des Platzes, ein wunderbares Couscous für uns. Er servierte es uns mit einem Salat ins Womo und wir konnten drei Tage davon essen. Seit Tafraoute fährt auch ein Tajine-Geschirr in unserer Brause mit, weich verstaut zwischen Teppichen und Poufs. Wenn wir wieder nach Marokko kommen, ist Tafraoute ein fixes Ziel für uns!

Felsformation in Tafraoute

Campingplatz Granit Rose

Campingplatz Granit Rose

Auf dem Weg vom Campingplatz nach Tafraoute

Auf dem Weg vom Campingplatz nach Tafraoute

Imkereiprodukte und -zubehör, das wäre ein El Ddorado für Fredi

Imkereiprodukte und -zubehör, das wäre ein El Ddorado für dich, Fredi!

So schöne Berberteppiche - monatelange Arbeit

So schöne Berberteppiche – monatelange Arbeit

Tafraoute

Tafraoute

Tafraoute

Salam,

die Womophilen