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Die „Großen Drei“ – SEVILLA, Cordoba und Granada

9. April 2016 von sissy | 2 Kommentare

Arcos de la Frontera

Am Palmsonntag, 20. März besichtigten wir auf unserem Weg nach Sevilla Arcos de la Frontera, ein weiteres „Weißes Dorf“,  in dem wir zum ersten Mal mit Semana Santa in Berührung gekommen waren.

Palmsonntag in Arcos de la Frontera

Palmsonntag in Arcos de la Frontera

Die Karwoche, „Heilige Woche“ (Semana Santa), wird in ganz Andalusien mit einer Begeisterung zelebriert, die uns völlig fremd gewesen ist. Zwischen Palmsonntag und Ostersonntag finden in vielen Orten und Städten Prozessionen statt, die man kaum beschreiben kann. Auf der einen Seite läuft das Geschehen für die direkt an der Prozession beteiligten Hauptakteure ganz ernst und tief religiös ab, auf der anderen Seite hat es für die am Straßenrand stehenden „Zuschauer“ fast fröhlichen Jahrmarktcharakter mit Getränken, Naschereien und lautstarken Unterhaltungen.

Im Mittelpunkt der Prozessionen stehen die wertvollen, kunstvoll geschmückten, sehr oft uralten Jesus- und Marienstatuen bzw. ganze Altäre, von denen der schwerste ganze 5 t wiegt. Diese werden aus den Dörfern oder Vierteln der jeweiligen Bruderschaften in die Kathedrale getragen, wobei beim Durchqueren der engen Gassen Millimeter- und perfekte Teamarbeit angesagt sind, tragen doch acht, zehn oder mehr junge Männer die schweren Podeste auf ihren Schultern. Die Büßer, die in ihren Kutten und den Spitzhauben á la Ku-Klux-Klan die Prozession begleiten, geben ein skurilles Bild ab. Die Musikkapellen mit ihren dumpfen Trommeln und vom Flamenco beeinflussten Klängen runden das Schauspiel ab. In Arcos de la Frontera bewirkte der plötzlich einsetzende Regen ein fluchtartiges Auseinanderstoben der Musiker. Die absterbende Musik erinnerte uns an alte Zeiten, wenn die Plattenspielernadel aus der Rille gesprungen war und quer über das Vinyl kratzte. Hallo, kann sich noch jemand an dieses Geräusch erinnern???

Semana Santa in Sevilla

Semana Santa in Sevilla kurz vor dem Einzug in die Kathedrale

In einigen Brüderschaften dürfen jetzt auch Frauen als Büßerinnen teilnehmen

In einigen Brüderschaften dürfen jetzt auch Frauen als Büßerinnen teilnehmen

In der ganzen Innenstadt gab es Absperrungen und riesige, mit Stühlen gefüllte Flächen. Wenn man eine Sitzmöglichkeit in der ersten Reihe möchte, muss man diese schon Monate zuvor buchen.  Der Höhepunkt der Heiligen Woche ist am Karfreitag, wenn ab Mitternacht alle 58 Cofradias (Bruderschaften) der Stadt unterwegs sind.

Vor dem Rathaus

Vor dem Rathaus

Die Kathedrale von Sevilla wurde auf einer ehemaligen Moschee errichtet, von der noch einige Reste erhalten sind, wie der wunderschöne Orangenhof und die Giralda, heute das Wahrzeichen der Stadt. Die Domherren von Sevilla beschlossen Anfang des 15. Jahrhunderts eine Kathedrale zu errichten, die von derartigen Ausmaßen sein sollte, „dass künftige Generationen uns für verrückt erklären werden“. Das ist wahrhaft gelungen, sie ist heute noch die drittgrößte Kirche der Christenheit und die größte gotische Kathedrale der Welt.

Sevilla Blick vom Torre del Oro

Der größte gotische Altar der Welt mit 44 Reliefs und über tausend Figuren, die das Leben Christi darstellen

Der größte gotische Altar der Welt mit 44 Reliefs und über tausend Figuren, die das Leben Christi darstellen

Wohin mit meinem Blick??

Wohin soll sich unser Blick wenden?

Sarkophag von Christoph Kolumbus

Sarkophag von Christoph Kolumbus

Reich geschmücktes Portal der Kathedrale

Reich geschmücktes Portal der Kathedrale

Kathedrale von Sevilla

Blcik auf die Kathedrale von Sevilla

Blick auf die Kathedrale

La Giralda, der heutige Glockenturm der Kathedrale wurde als Minarett erbaut. Im Inneren des Turms kann man über eine 2,5 m breite Rampe, damit zwei Pferde nebeneinander hinaufreiten konnten, bequem bis zur Plattform emporsteigen. Heute trampeln anstatt der Pferde zwei Besucherströme durch den Gewölbegang, einer hinauf, der andere hinunter. Der sagenhafte Blick über Sevilla lohnt den Aufstieg allemal. Den höchsten Punkt der Giralda bildet die Bronzefigur „La Giraldilla“, die sich trotz ihres Gewichtes von 28 Zentnern mit dem Wind um ihre eigene Achse dreht.

Blick auf Sevilla

Blick über Sevilla

Sevilla -Giralda der Kathedrale

Die Heimat des Don Juan, der Carmen und des berühmten Barbiers besuchten wir gleich zweimal, weil während der Karwoche die Kathedrale und der Turm nicht zugänglich gewesen waren.

Durch dieses Tor betritt man einen orientalischen Palast wie aus 1001 Nacht

Durch dieses Tor betritt man einen orientalischen Palast wie aus 1001 Nacht

Reales Alcázares heißt der mittelalterliche Königspalast von Sevilla und wird heute noch von der spanischen Königsfamilie als Residenz genutzt, wenn sie sich in der Stadt aufhält.

Patio de las Doncellas (Damenhof)

Patio de las Doncellas (Damenhof)

Patio de las Doncellas

Holzarbeiten maurischer Künstler

Holzarbeiten maurischer Künstler

Blick auf den Botschaftersaal

Blick auf den Botschaftersaal

Der Eindruck täuscht ein bisschen, darunter stehen Hunderte mit gezückten Kameras. Es ist für mich oft sehr amüsant zu beobachten, wie Rudi dank seiner Größe über alle hinweg fotografieren kann. Kostprobe gefällig?

Hilfe, so viele Leute!

Ich kann mich nicht satt sehen an diesen fein gemeißelten Kunstwerken

Ich kann mich nicht satt sehen an diesen fein gemeißelten Kunstwerken

Die Gärten der Reales Alcázares sind eine Art paradiesische Insel inmitten der Stadt. Wir genossen ein Cerveza im Café und wollten den magischen Ort fast nicht verlassen.

Garten in der Reales Alcázares

Ob ein Stierkampf zu einem Andalusienaufenthalt dazugehört oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für uns gilt: Einmal und nie wieder!

Real Maestranza Sevilla

Es ist ein grausames Schauspiel, das sich in den letzten 20 Minuten im Leben eines Kampfstieres abspielt und rechtfertigt in keiner Weise, dass er ja im Vergleich zu seinen Artgenossen, die schon nach 18 Monaten zum Verzehr geschlachtet werden, ein vier- bis fünfjähriges Leben auf saftigen, grünen Weiden genießen durfte.

Picadores

Picadores

Nachdem der Matador den Stier „kennengelernt“ hat, kommt der Picador auf einem gepanzerten Pferd und sticht mit einer Lanze in den Nackenmuskel des Stiers, um ihn zu schwächen.

Anschließend kommen drei Banderilleros, die dem Stier je zwei 65 cm lange, mit Widerhaken versehene Spieße in den Nackenmuskel setzen um ihn weiter zu schwächen und zu zwingen, den Kopf unten zu halten. Gleichzeitig will man damit seine Angriffslust reizen, was auch gelingt. Die Stiere versuchen in wildem Galopp und mit fahrigen Bewegungen die Spieße loszuwerden und schwächen sich dabei selbst.Stierkampf Sevilla

Den letzten Akt erledigt der Matador. Er ist ein erfahrener Stierkämpfer und sollte den Stier, nachdem er ihn mehrmals eng an seinem Körper mit dem roten Tuch vorbeigeführt hat um das Senken seines Kopfes zu veranlassen, mit einem Degenstich zwischen die Schulterblätter töten. Wir haben dieses grausame, blutrünstige Spektakel vorzeitig abgebrochen und vier der sechs Tötungen gesehen, kein einziger Stier war beim ersten Stich tot. Leider wird mir das Bild des immer stolzer herumgockelnden Matadors , das sich reziprok zum Gemütszustand des Stieres verhielt, für immer in Erinnerung bleiben.

Pferde schleifen den toten Stier würdelos aus der Arena

Pferde schleifen den toten Stier würdelos aus der Arena

Angewidert und ohne Verständnis für diesen Brauch verließen wir mit hängenden Köpfen die Arena. Wir sind uns nicht mehr sicher, ob wir auch in Zukunft Tapas „Rabo de Toro“ (geschmorter Stierschwanz) unvoreingenommen genießen können.

¡Hasta pronto!,

die Womophilen

Sevilla